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Beweglichkeitstraining: Eine Frage des Konzepts

Erstellt am: 15.05.2015 | Kategorie: Muskellängentraining,
Beweglichkeitstraining: Eine Frage des Konzepts

Beweglichkeitstraining: Eine Frage des Konzepts

Die Frage, 'ob‘ man als Trainingsanbieter das Thema „Beweglichkeitstraining“ ins Angebot integrieren muss stellt sich kaum noch. Inzwischen lautet die Frage nur noch: „Wie?“ Beweglichkeitstraining hat sich vom Trend zur festen Größe entwickelt und wird in Zukunft wie Kraft- und Ausdauertraining ganz einfach zum Angebot dazu gehören.

Als vor ein paar Jahren die ersten hölzernen Beweglichkeitszirkel in der Fitnesswelt auftauchten, wurden sie häufig milde belächelt – im besten Falle. Wenige Jahre später stehen einige hundert dieser gerätegestützten Angebote in deutschen Fitnessstudios und man gewinnt den Eindruck, dass sie sich zu einem „Must-have“ entwickeln. Was ist dran an diesem Trend?

Training gegen Muskelverkürzungen

Über Sinn oder Unsinn der verschiedenen aktiven oder passiven, statischen oder dynamischen Stretching-Methoden können sich Sportler, Trainer und Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten engagiert streiten, ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen.
Fakt ist: Beweglichkeit ist tatsächlich die am meisten vernachlässigte und unterschätzte Komponente der Kondition im physiologischen Sinne (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit). Wir alle brauchen eine Kompensation zum täglichen Sitzmarathon und zu sportartspezifischen anatomischen Ausprägungen.
Wir müssen etwas tun, für den Erhalt oder die Wiedererlangung der natürlichen „range of motion“ (ROM). Andernfalls drohen vor allem Gelenkprobleme durch Muskelverkürzungen, die sich schon sichtbar in der Haltung des Durchschnittsdeutschen zeigen: Verkürzte Wadenmuskeln, Knie- und Hüftbeuger, Teile der Po-, Brust-, Schulter-, Rotatoren- und Nackenmuskulatur zerren uns aus dem aufrechten Gang wieder in eine gebeugte Vierbeinerhaltung.
Diese Manifestierung von Fehlhaltungen wird durch manche Sportart und manchmal auch durch landläufiges Fitnesstraining noch zementiert. Ein Großteil der orthopädischen wie auch manch andere Probleme ließe sich durch regelmäßige Ausführung geeigneter Gegenmaßnahmen relativ einfach beheben. Aber bekanntermaßen dehnt kaum jemand freiwillig.
Stretching im herkömmlichen Sinne auf der Matte macht keinen Spaß. Auf den ersten Blick bringt es keinen optischen Vorteil, wie z.B. mehr Muskeln, straffere Haut etc. Darüber hinaus erfordert es Muße, Fachwissen und Korrektur und es gibt keinen materiellen Anhaltspunkt in Form eines Geräts.
Inzwischen finden Yoga, Pilates, Faszientraining & Co., die unter anderem beweglicher machen wollen, mehr Verbreitung. Meist als Kurse angebotenen, erfordern sie einen relativ hohen Betreuungsaufwand und es gibt rationale wie auch irrationale Widerstände dagegen.

Sehr schnelle Wirkung

Und nun stehen sie da: Erstaunliche Holzkonstruktionen unmittelbar neben plate-loaded Maschinen auf den Trainingsflächen oder in separaten Flex-Lounges. Wo immer die Gerätezirkel neu aufgestellt werden, stehen Anfangs ratlose Mitglieder mit großen Augen daneben.
Die Praxis zeigt aber, dass diese „neue“ Trainingsidee – eine fundierte Einführung und Betreuung vorausgesetzt – sehr schnell mit Begeisterung angenommen wird. Die Nutzer spüren unmittelbar beim Training ihre persönlichen Einschränkungen und sofort danach einen Zuwachs an Lebensqualität. Einen schnelleren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang habe ich persönlich im Trainingsbereich noch nicht erlebt.
Und auch die Trainingsfortschritte sind sehr schnell zu beobachten. Damit einhergehend reduzieren sich auch die gesundheitlichen Einschränkungen recht schnell. Entscheidend ist, dass wirklich eine Verbesserung der Beweglichkeit im Bereich von Muskeln, Bindegewebe und Gelenkstrukturen erreicht wird. Bei vielen Zirkelübungen findet dazu ein Core-Training bei maximaler individueller Muskellänge statt.
Diese Kombination lässt sich ohne Gerät nur schwer realisieren. Aus Kundensicht also ein voller Erfolg. Wie wird es nun auch ein Erfolgsmodell für den Betreiber?

Die Frage ist nicht „ob“, sondern „wie“!

Meiner Meinung nach stellt sich nicht mehr die Frage, ob man als zukunfts- und gesundheitsorientierter Trainingsanbieter das Thema „Beweglichkeitstraining“ bewusst ins Angebot integrieren muss. In Zukunft wird Beweglichkeits- wie Ausdauertraining ganz einfach zum Angebot dazu gehören.
Wenn ich einen Gerätezirkel kaufe, wie unterscheiden sich die Konzepte?

Erfolgsmodell für jedes Studio?

Als ich das erste Mal vor Jahren mit der Idee der Hyperextension konfrontiert wurde, widersprach das in einigem, was ich an der Universität und in diversen Fortbildungen gelernt hatte. Nach Jahren im Leistungssport selber mit LWS- sowie ISG-Problemen ausgestattet, wagte ich den Selbstversuch in einigen Zirkelrunden. Ich war einerseits ordentlich beansprucht von der Haltearbeit im Core-Bereich in einigen Geräten und andererseits ganz schnell und nachhaltig sehr viel „lockerer“.
Egal, im welchem der vier von mir getesteten Zirkel ich trainierte, diese Entwicklung hielt konsequent an und ich konnte so manches Werbeversprechen voll unterschreiben. Auf diese Versprechen bezieht sich aber meine größte Kritik: So mancher Vertrieb, darunter so mancher Therapeut, macht generelle Heilsversprechen für nahezu alle Rückenprobleme schon zu Beginn des Flexibilitätstrainings.
Nimmt man den Querschnitt verschiedenster Expertenmeinungen, sollte ein Fitnessbetreiber hier deutlich mehr Vorsicht walten lassen. Zum einen kennen die Trainer nicht die tatsächliche Indikation der Rückenprobleme jedes Mitglieds – die Mitglieder selber häufig auch nicht – und zum anderen sollte man als Betreiber die Qualifikation des eigenen Personals kritisch hinterfragen:

Faktor Trainingsbetreuung
- Ist das Vorwissen meiner Trainer ausreichend?
- Ist die Schulung durch den Hersteller für (therapeutische) Ansprüche ausreichend?
- Ist die Betreuungsintensität im Trainingsbereich für solche Aufgaben ausreichend?
- Wie kann ich die Intensität der Übungsreize dem individuellen Fitness- und Schmerzzustand meines Mitglieds anpassen?

Welches Konzept passt?

Den Expertenstreit, ob der Beweglichkeitszuwachs aus einer Zunahme der kontraktilen Elemente (Sarkomere) resultiert („Muskellängenwachstum“) oder „nur“ aus der Wiedererlangung der maximalen natürlichen Beweglichkeit der betreffenden Gelenkeinheit („maximum ROM“), können wir an dieser Stelle weder detailliert darstellen, geschweige denn klären.
Letztendlich ist im präventiven Fitnessbereich wichtig, dass das Konzept funktioniert – für Mitglied und Studio. Um hier eine abschließende Beurteilung als Studiobetreiber durchführen zu können, sind neben den obigen Fragen aber auch Entscheidungen bezüglich Nutzungs- und Raumkonzept sowie Refinanzierung wichtig.

Faktoren Ausrichtung & Studiokonzept
- Will ich einen eigenen abgeschlossenen, raumgreifenden Bereich „Beweglichkeitstraining“ mit vielen Stationen in therapeutischer Anmutung und Holzdesign?
- Will ich lieber die wichtigsten Beweglichkeitsstationen auf komprimierter Fläche in die Nähe der Kraft- und Cardiostationen für jedermann zugänglich rücken?
- Rückentrainings- oder auch Dehnstationen, die durch die Beweglichkeitsgeräte ergänzt werden – auch in der Trainingsphilosophie?
- Will ich mit dem Tool „Flexibilitätstraining“ ein neues zahlungspflichtiges Add-On im Sinne eines modularen Preismodels präsentieren?
- Will ich durch vergünstigte Nutzung des neuen Zirkelangebotes meinen Mitgliedern eine Vertragsverlängerung schmackhaft machen?
- Will ich meine Anlage durch ein solches Angebot neu positionieren?
- Erreiche ich in der lokalen Konkurrenzsituation durch diese Investition den Status eines „USP“ oder nur ein „me too“?
- Ergänze ich den Beweglichkeitszirkel mit funktionellen Kräftigungsübungen und schaffe so einen speziellen Trainingsbereich?

Integration in den Studioalltag

Bei ideologiefreier Betrachtung ist es für die Wirkung egal, ob die Geräte aus Holz, Kunststoff oder Metall gefertigt sind – solange die menschliche Anatomie berücksichtigt wird. Aber die Materialfrage ist aus alltagspraktischen Erwägungen wichtig:
Einige Hersteller argumentieren, dass das Ganze nur auf Socken bzw. barfuß Sinn macht. Das macht einige Übungen im Detail noch wirkungsvoller, aber mir graut es bei dem Gedanken an den Zustand von entblößten Füßen nach 30 min Laufband und 30 min Krafttraining oder gar einem Cycling-Kurs. Sind Anblick und Geruchsentwicklung von verschwitzten Socken nach so einer Trainingseinheit dem Erfolg des Zirkelkonzepts zuträglich?
Welche Geräteoberflächen (Holz, Kunststoff, Metall, Leder, Filz) ertragen langfristig das Einwirken von Schuhen und oder Schweiß? Auch diese Aspekte sollten bei der Geräte- und Konzeptauswahl eine Rolle spielen.
Beim Thema Schulungen würde ich einen höheren Anspruch anlegen. Je besser ein Trainer die Maßnahme erklären kann, umso höher die Akzeptanz bei den Mitgliedern. Auch die Wertschätzung der Leistung des Trainers und des Studios stehen dann mehr im Vordergrund als nur die tollen Geräte. Außerdem können kundigere Trainer besser entscheiden, wie weit sie ein Mitglied mit besonderen Beschwerden ins Zirkelprogramm einbinden können bzw. ob sie möglicherweise erst einmal bestimmte Geräte auslassen.

Das Paket muss passen

Ob man Marketing und Endkunden-Vorträge einkauft, hängt zum einen vom Preis und zum anderen vom eigenen Vermarktungspotenzial ab.
Dem Einen hilft vielleicht der Kasten mit erprobten Werkzeugen, ein Anderer ist Individualist und erfahren genug, um seine eigenen Schwerpunkte zu setzen. Informieren und praktisch vergleichen sollte man die verschiedenen Angebote in jedem Fall, da sich auch bei vergleichbaren Gerätekonstellationen je nach Zusatzleistungen der Preisbogen mehr oder weniger deutlich spannen kann.

Arnd Storkebaum

Arnd StorkebaumDer selbständige Sportwissenschaftler und Biologe Arnd Storkebaum ist Spezialist in den Bereichen Corporate Health Management, Athletik Training und Fitness Equipment. Mit seiner Firma more life quality setzt er seit 16 Jahren für viele Unternehmen Bewegungskonzepte um, richtet Hotels, Fitnessstudios und Physiopraxen ein, steht Sportartikelherstellern mit Rat & Tat zur Seite, schafft Trainingslösungen im Profisport und begleitet Personal Training Kunden rund um das Thema Functional Training.
www.m-l-q.de
 

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