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Der Hilfeschrei

Erstellt am: 02.11.2019 | Kategorie: Szene,
Der Hilfeschrei

Die Digitalisierung der Fitness- & Gesundheitsbranche

Der Hilfeschrei

Eines möchte ich vorausschicken. Die Digitalisierung wird, wie in vielen anderen (Lebens-)Bereichen auch, die Fitnessbranche nachhaltig verändern. Das steht für mich außer Zweifel – und ich bin mir sicher, dass die Branche von der Digitalisierung profitieren wird! Ob dabei jeder Marktteilnehmer profitieren wird, ist eine andere Frage. Mir persönlich fällt auf, dass insbesondere bei Studioinhabern eine Verunsicherung in Sachen Digitalisierung wahrzunehmen ist.

Aber kommen wir zum eigentlichen Auslöser dieses Beitrags. Vor kurzem erreichte mich der Hilfeschrei eines Fitnessclub-Besitzers, der in Sachen Digitalisierung nicht weiß, wie er agieren soll. Dabei ist ihm bewusst, dass er Handlungsbedarf hat! Diese Bitte um Hilfe hat mich dazu veranlasst, intensiver über den aktuellen Stand der Digitalisierung in der Fitnessbranche nachzudenken.

Seit 7­–8 Jahren schreitet die Digitalisierung in der Fitness- & Gesundheitsbranche immer sichtbarer voran. Softwareunternehmen & Produkthersteller überbieten sich mit neuen Funktionen, welche die Digitalisierung vorantreiben. Damit neue Angebote eine Chance haben, müssen sie erst einmal einige Grundvoraussetzungen erfüllen:

Das Produkt oder die Dienstleistung muss (wie jedes andere Produkt auch) einen signifikanten Mehrwert bieten, um marktfähig zu sein. Das anbietende Unternehmen muss ausreichend kapitalisiert sein, um den mittlerweile sehr kostenintensiven Entwicklungsprozess eines digitalisierten Produkts bis zur Marktreife finanzieren zu können. Das Unternehmen sollte außerdem über ausreichende Programmierkapazitäten verfügen.

Das ist nur eine Seite der Medaille

Ich frage mich immer, wer oder was sind eigentlich die Treiber der Digitali­sierung? Wird die Branche von innen oder von außen getrieben, um die Digitalisierung weiter in der Studiopraxis umzusetzen?

Die Antwort ist nicht einfach: Fakt ist, dass immer mehr Trainierende täglich mit Tools arbeiten, die irgendwelche Daten erheben. Laut einer Umfrage, die im Oktober 2015 von TNS Emnid durchgeführt wurde, waren zum damaligen Zeitpunkt 75% der Menschen in Deutschland positiv gegenüber solchen Tools (Wearables) eingestellt und bereit, diese zu nutzen bzw. befürworteten die entsprechenden Technologien.

Laut einer Studie der ISPO in Zusammenarbeit mit der Innolytics® GmbH nutzt gerade im Fitnessbereich bereits jeder Fünfte digitale Services. Dies macht anschaulich deutlich, dass die menschliche (Betreuungs-)Kompetenz immer stärker durch Algorithmen ergänzt werden kann und das auch wird. Digitale Trainingsprogramme, die Trainings- & Verhaltensempfehlungen auf Basis dieser Algorithmen zur Verfügung stellen, gehören längst zum digitalen Alltag. Der Austausch von Daten bzw. die intelligente Vernetzung von Informationen zwischen unterschiedlichen Angeboten und smarten Produkten entscheiden bereits jetzt, aber auch immer stärker in der Zukunft, über den Erfolg oder Miss­erfolg von digitalen Strategien bzw. Produkten.

Das bedeutet auch, dass die Nutzer (Trainierende) aus den von ihnen gesammelten Daten einen konkreten Nutzen ziehen möchten. Das können Trainingsergebnisse sein, die visualisiert und ausgewertet werden. Es können aber auch Vergleiche mit anderen Trainierenden gezogen werden, um zu sehen, wo man steht. Zukünftig könnten Trainingsdaten auch für Krankenkassen von Interesse sein, um anhand von dokumentierten Behandlungsergebnissen Therapiekosten zu erstatten oder beispielsweise Prämien für Präventionsmaßnahmen zu bezahlen.

Zusätzlich zu den Wearables kommen Angebote großer Hersteller wie beispielsweise Apple oder Microsoft. Mit ihren Softwaretools & Apps befriedigen sie auch das o.g. Bedürfnis der Trainierenden mit ihren Wearables zu kommunizieren und entwickeln immer neue Möglichkeiten, um das Interesse an diesen Produkten zu steigern.

Bedeutung für die Studios

Diese Zielgruppe, die Nutzer sogenannter Wearables, erwartet, wenn sie sich für eine Mitgliedschaft in einem Studio entscheidet, dass das Studio mit den von ihnen genutzten Wearables kommunizieren kann. Das heißt, dass das Studio möglichst in der Lage ist, die im Club erbrachten Trainingsleistungen in den von den Trainierenden genutzten Wearables zur Verfügung zu stellen oder diese aus­lesen zu können, um diese in studioeigenen Auswertungstools einzuspeisen.

Darüber hinaus erwarten Trainierende immer häufiger, dass die Organisation im Fitnessstudio ebenfalls verstärkt digital abläuft, das heißt von der Anmeldung über die Stammdatenpflege bis hin zum Zahlungsverkehr und dem Buchen weiterer Leistungen sollte alles „smart“, das heißt am besten über das Smartphone, für das Mitglied zu handeln sein. Softwareanbieter der Branche programmieren seit Jahren neue Tools, die von der Trainingsbetreuung bis hin zur Optimierung der Studioorganisation (beispielsweise der Verwaltungs- & Verkaufsprozesse) viele Möglichkeiten bieten, um diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Vergessen wir die Aggregatoren nicht

In der Zwischenzeit sind zusätzlich zu den hier bereits dargestellten Entwicklungen die sogenannten Aggregatoren hinzugekommen. Wir kennen diese Player bereits aus anderen Industrien, wie der Hotellerie (Beispiele: HRS.de, trivago.de, hotel.de), im Taxigeschäft (uber.com) oder bei der Buchung von Flügen (Beispiele: opodo.de, fluege.de).

In der Fitnessbranche heißen die An­bieter im deutschsprachigen Raum u.a. Urban Sports Club, Gympass, Hansefit, Gympool oder qualitrain. Da die Fitnessbranche in dem Segment der Aggregatoren bislang weit hinter anderen Branchen zurückhinkt, könnte es ein schnelles böses Erwachen geben. Warum? Ganz einfach: Während beispielsweise HRS in der Hotellerie bereits seit 1995 online tätig ist, und sich dessen Business-Modell innerhalb von 24 Jahren peu á peu entwickelte, sind die neuen Aggregatoren mit breitem Programmier-Know-how und in der Regel mit viel Geld ausgestattet. Dies bedeutet, dass sie auch entsprechend schnell agieren können. Hier gilt es aufzupassen! Im schlimmsten Fall droht dem schlecht positionierten Club-Inhaber, dass er seine Geräte nur noch stundenweise an Buchungsplattformen vermietet und selbst nur noch über wenige eigene Mitglieder verfügt! Eine solche Abhängigkeit wäre fatal! (Sehen Sie hierzu auch den Artikel von Niels Nagel in dieser Ausgabe auf Seite 72 ff.).)

Wohin geht der Weg?

Soweit so gut. Doch eine Frage konnte mir bislang niemand beantworten: An welchem Punkt stehen denn aktuell die Inhaber von Fitnessstudios im deutschsprachigen Raum? Wenn ich mir die Altersstruktur der Studioinhaber anschaue, dann fällt auf, dass ein sehr großer Prozentsatz der inhabergeführten Studios von Betreibern geführt wird, die über 55 Jahre alt sind. Grundsätzlich hat das Alter eines Menschen mit seiner Affinität zu neuen Medien nur oberflächlich gesehen zu tun. Viele dieser Studioinhaber be­treiben zwar eine Website für ihr Studio, haben einen Facebook-Auftritt, nutzen ein Smartphone und verschicken ­WhatsApp-Nachrichten, SMS und E-Mails. Sie bieten oft auch Gerätetraining mit Chipkartensystemen an.

Aber wissen wir, was das Thema Digitalisierung für diese Clubinhaber aktuell bedeutet bzw. was sie sich von der Thematik der Digitalisierung erwarten? Sind die Studioinhaber von heute in der Lage, den anstehenden Veränderungsprozess richtig in die Wege zu leiten? An dieser Stelle habe ich Zweifel. Wie sollen sie, ohne über das entsprechende Know-how zu verfügen, entscheiden, welche die richtigen Schritte sind, um ihre digitale Zukunft zu gestalten?

Der eingangs genannte Studioinhaber hat mir unter vier Augen Folgendes gesagt: „Patrick, ich verstehe die Digitalisierung nicht wirklich. Was mir aktuell alles angeboten wird, kann ich kaum nachvollziehen, geschweige denn verstehen. Ich weiß gar nicht, an welchem Punkt ich einhaken muss, um die richtigen Schritte zu gehen. An welcher Stelle muss ich anfangen?“

Es klang wie ein Hilferuf. Dabei war deutlich zu erkennen, dass dieser Studiobetreiber die Notwendigkeit bereits erkannt hat, dass er im Bereich der Digitalisierung aktiv werden muss. Er weiß nur nicht, wo er anfangen soll. Ich bin mir sicher, dass dieses Problem bei vielen weiteren Betreibern zu finden ist!

Schritt für Schritt zum Erfolg

Ein Whitepaper aus dem Jahre 2016, das Life Fitness erstellt hat, könnte dem Studioinhaber eine erste Hilfestellung geben. In diesem Whitepaper werden verschiedene Schritte bei der Umsetzung des Digitalisierungsprozesses für ein Unternehmen / Fitness-Studio definiert bzw. beschrieben.

  • Ein erster Schritt ist das Digitalisieren von den Dingen (Arbeitsprozessen), die man schon immer im Unternehmen gemacht hat (ersetzen).
  • Darauf aufbauend können diese Arbeitsprozesse in einem zweiten Schritt weiter verbessert werden (verbessern).
  • In einem dritten Schritt geht es darum, mit Hilfe der Digitalisierung neue Produkte und neue Prozesse im Unternehmen zu definieren und umzusetzen (neu erfinden).

Gut zu wissen ist, dass es mittlerweile digitale Lösungen für alle drei Stufen gibt und sogar All-in-One-Konzepte, die einen Betreiber Schritt für Schritt durch die Digitalisierung führen.

Darüber hinaus bin ich gespannt, welche seriösen Hilfestellungen den Club­inhabern zukünftig geboten werden können, damit sie die richtigen Entscheidungen bzgl. der digitalen Zukunft ihres Unternehmens treffen können. Sicherlich haben sich die Branchen­verbände schon vertiefende Gedanken darüber gemacht, wie sie ihren Mit­liedern beim Umsetzen einer Digitalisierungsstrategie behilflich sein können.        

Patrick Schlenz


Bilder: 
© AdobeStock_119449479_Von Konstantin Hermann
© AdobeStock_225487358_Alexander Limbach
© AdobeStock_159477458_dima_sidelnikov

 

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