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Digital Erfolgreich

Erstellt am: 24.10.2016 | Kategorie: Szene, Studio-Management, Aktuelles,
Digital  Erfolgreich

Digital  Erfolgreich

Teil 2: Fitness-Clubs und ihre digitalen Mitglieder – eine erfolgreiche Partnerschaft?

Fitness- & Gesundheits-Clubs kommen an der Digitalisierung kaum mehr vorbei. Es gilt für die Branche, einen Weg zu finden, die Wertschöpfung der Fitness-Clubs zu steigern. Welche Ansätze sind aus heutiger Sicht für Studios und Personal Trainer geeignet, um sich als die Instanz zu etablieren, welche die Möglichkeiten der digitalen Technik mit den individuellen Anforderungen eines Gesundheitstrainings verbindet? Im 2. Teil ihres F&G-Artikels analysieren Dr. Niels Nagel und Dr. Christopher Grieben, wie digitale und klassische Trainingsbetreuung durch Trainer erfolgreich kombiniert werden können.

Die Digitalisierung wird einer der Trends sein, die die Zukunft der Fitnessbranche maßgeblich be­stimmen werden. 34 % aller sportlich Aktiven und sogar 56 % unter den Mitgliedern in deutschen Fitness-Clubs nutzen digitale Hilfsmittel im Rahmen ihres Fitness-Trainings. Diese Zahlen ermittelte eine Studie des Deutschen Industrieverbandes für Fitness und Gesundheit (DIFG) aus dem Jahr 2015.
In der vorigen Ausgabe der F&G haben wir beschrieben, wie es der Branche gelingen kann, die Digitalisierung zu nutzen und die Wertschöpfung der Fitness-Clubs zu steigern. Auch haben wir thematisiert, wo derzeit (noch) die Grenzen der Digitalisierung liegen und wie fundamental wichtig die professionelle Betreuung ist. Gemessene Daten sind eben auch nicht mehr, als Daten, die den Einfluss von körperlicher Aktivität nicht vollständig be­rücksichtigen können..

Die Instanz zwischenTechnik und Sportler

Die Auswertung der erfassten Daten sollte deshalb durch Trainingsexperten begleitet werden, weil die Wirkung der Aktivität auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit durch digitale Hilfsmittel kaum bewertet werden. Das Ziel der Betreuung wird dabei die Vermittlung von Gesundheitskompetenz sein. Mitgliedern und potenziellen Kunden müssen die Angebote und Informationen verständlich gemacht werden, damit diese entsprechende Entscheidungen treffen können.
Das Messen von Aktivitäten und das Feststellen von Trainingsfortschritten können bzw. werden wichtige Elemente sein, um die Trainingsmotivation zu verbessern.
Mit diesen Überlegungen kann die Funktion des fachkompetenten Trainers für die digitalisierten Fitness-Trainierenden untermauert werden. Denn, der entsprechend ausgebildete Trainer kann durch sein Wissen und seine Erfahrungen die Ergebnisse aus der digitalen Trainingswelt in eine gezielte Trainingsbetreuung einfließen lassen. Sicher erfordert jedoch die Digitalisierung der Fitness-Branche entsprechende Aus- und Fortbildungsangebote für die Trainingsbetreuung.
Die Aufgabe der Trainingsanbieter, wie Fitness-Clubs oder Personaltrainer, wird es in Zukunft sein, sich als zentrale Instanz zwischen der digitalen Technologie und dem Trainierenden zu positionieren. So wird dann tatsächlich der ursprüngliche Zweck erreicht, durch den Einsatz digitaler Hilfsmittel das Fitness-Training zu verbessern.
Eine Hauptursache dafür, dass Trainingsziele nicht erreicht werden, ist wohl weniger in der Trainingsqualität
– im Sinne der Qualität von Planung und Kontrolle – zu sehen, als vielmehr im Drop-Out des Trainierenden aus dem Trainingsprozess an sich.
Einem Großteil der Trainierenden fällt es offensichtlich schwer, sich an Trainingspläne zu halten und ausreichend regelmäßig das Training zu absolvieren. Zwischen 60 und 80 Prozent aller Fitness-Beginner brechen erfahrungsgemäß ihr Training ab und kündigen früher oder später ihre Mitgliedschaft. Auch digitale Hilfsmittel wie Aktivitäts­tracker, die dem Trainierenden ein Feedback über das absolvierte Training ermöglichen sind kein Erfolgsgarant per se.

Was bringt Fitness-Tracking tatsächlich?

Insgesamt ist das Forschungsfeld im Bereich des digitalen Be­wegungs- und Gesundheitsmanagements noch sehr unstrukturiert und befindet sich noch in den Startlöchern.
Erste Studienergebnisse zeigen jedoch, dass die Frequenz des ­„Trackens“ z.B. mit einer Gewichtsreduktion einhergeht. Diejenigen, die z.B. ihr Ernährungsverhalten häufiger elektronisch aufgezeichnet haben, verlieren über die Dauer signifikant mehr Gewicht, als diejenigen, die die technologische Unterstützung in Form von Self-Tracking Geräten nur selten nutzen (Pourzanjani et al., 2016).
Wang et al., (2014) konnten aufzeigen, dass Selbstvermessung zu einem Anstieg der körperlich-sportlichen Aktivität führen kann. Die aktuelle Studienlage verdeutlicht, dass folgende Maßnahmen beim Einsatz (neuer) technologischer Geräte in der Praxis berücksichtigt werden müssen, um Verhaltensveränderungen zu erzielen:
- Einbeziehung des sozialen Umfelds (Ferney et al. 2009; van den Berg et al. 2007)
- Bekräftigung (positives Feedback) und Einsatz von Buddy-Systemen (Ware et al. 2008)
- Individuelles und persönliches Feedback (Tailoring) (Neville et al. 2009)
- Einsatz von Bewegungsplänen und -vorgaben (Taylor 2008)

Gesundheitskompetenz digital ergänzen

Der Erfolg digitaler Trainingskonzepte basiert vermutlich eher auf extrinsischer Motivation der Trainierenden. Der Trainierende erfährt durch eine oft unzureichende Feedback-Schleife eine Belohnung in Form von Spielergebnissen, Aktivitätspunkten oder anderen künstlichen Ergebnis-Interpretationen.
Extrinsische Motivation ist jedoch kein geeignetes Mittel, um langfristige Trainingsmotivation zu etablieren. Hier muss der Fitness-Trainer unterstützen, indem er – oder sie – ein Fitness-Programm aufbaut, das an die Bedürfnisse der Trainierenden angepasst ist und entsprechend deren Neigungen und Interessen berücksichtigt.
Darüber hinaus gibt es theoretische Ansätze, in denen der Aufbau von Gesundheitskompetenz als wichtige Voraussetzung für das Einstellen, bzw. Verändern von Verhalten definiert wird (Lenartz et al., 2014). Das grundlegende Ziel in der Vermittlung von Gesundheitskompetenz ist es dabei, die Individuen zu befähigen, Angebote und Informationen ausreichend zu verstehen, um entsprechend gesundheitsbewusste Entscheidungen treffen zu können. Als Einflussfaktoren der Gesundheitskompetenz werden von den meisten Autoren demographische, psychosoziale und kulturelle Eigenschaften sowie grundlegende Kompetenzen, individuelle Fähigkeiten und gesammelte Vorerfahrungen definiert (Manganello 2008; Sørensen et al., 2012).
Aktuelle Studien belegen, dass sich die individuelle Gesundheitskompetenz u.a. auf eine bessere Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands (Berkman et al., 2011), auf das Gesundheitswissen und auf Häufigkeit der Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen des Einzelnen auswirkt (Sørensen et al., 2012). In Zukunft gilt es, die bestehenden theoretischen Modelle zum Aufbau von Gesundheitskompetenz und auch Gesundheitsverhalten in die Praxis zu transferieren, so dass auch Endkunden in Fitnessstudios davon profitieren können.
Ergänzend können so genannte Blended-Learning Plattformen, die eine methodisch-didaktische Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und E-Learning Veranstaltungen gewährleisten, eine Möglichkeit darstellen, die Endkunden auch niederschwellig im Alltag zu erreichen (Manganello, 2008).

Die Kombination von ­digitalem und klassischem Coaching

Insgesamt ist festzuhalten, dass digitale Fitness-Programme bereits heute eine hohe Akzeptanz bei den Fitness-Trainierenden haben. Von daher ­sollten die Fitness-Clubs diesen Fitness-Trend aufgreifen, um die Trainingsgestaltung zu verbessern.
Auch ist in der Innovation ein Treiber einer wirtschaftlichen Entwicklung der Fitness-Clubs zu sehen, die auf einer Verbesserung der Effizienz und Effektivität der Unternehmenssteuerung beruht. Der professionelle Umgang mit digitalen Technologien erfordert jedoch auch eine gezielte Kompetenzentwicklung des Personals. Daher sollten Aus- und Fortbildung – insbesondere der Trainer, den Umgang mit diesen neuen Technologien be­rücksichtigen.
Aktuell sind digitale Anwendungen im Gesundheitsbereich und analoges Fitness-Training nach wie vor durch eine hohe Drop-Out-Quote gekennzeichnet. Eine Lösung des Drop-Out-Problems kann in der Verbindung von face-to-face -Coaching, der klassischen Trainingsbetreuung, und der digitalen Kommunikation liegen. Denn erst wenn analoge (face-to-face) und digitale Trainingsmaßnahmen sinnvoll verknüpft werden, wird der Endbenutzer einen nachhaltigen Mehrwert haben. Diese Kombination wird als Blended-Learning, bzw. als Social Learning bezeichnet.
Nicht jede digitale Innovation ist jedoch mit einem Mehrwert hinsichtlich der Verbesserung der Trainings­gestaltung und -betreuung verbunden. Industrie und Wissenschaft müssen im Sinne einer konstruktiven Weiterentwicklung kooperieren, damit „Digital Fitness“ nicht nur eine Mode-Erscheinung sondern eine Erfolgsstrategie für die Fitness-Clubs wird.
Dr. Niels Nagel & Dr. Christopher Grieben

Sie möchten Teil 1 des Artiikels "Fitness-Clubs und ihre digitalen Mitglieder – eine erfolgreiche Partnerschaft?" noch einmal lesen? Dann klicken Sie bitte einfach hier.

Die AutorenDr. Niels Nagel

Dr. Niels Nagel
Dr. Niels Nagel, Jahrgang 1970, ist Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Industrieverbandes für Fitness und Gesundheit (DIFG e.V.) und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.
Forschungsschwerpunkt: Kundenbindung und Fluktuationssenkung in der Fitnessbranche. Dr. Niels Nagel verfügt über 18 Jahre Erfahrung als Unternehmensberater für Sport- und Freizeitanlagen
www.difg-verband.de
www.zfg-koeln.de


Dr. Christopher GriebenDr. Christopher Grieben
Dr. Christopher Grieben, Jahrgang 1984, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.
Forschungsschwerpunkt: Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Sport auf die Gesundheit, Gesundheitskommunikation durch neue Medien und soziales Lernen.
www.zfg-koeln.de

 


Literatur:
Berkman, N.D., Sheridan, S.L., Donahue, K.E., Halpern, D.J., Viera, A., Crotty, K., Holland, A., Brasure, M., Lohr, K.N., Harden, E., Tant, E., Wallace, I., Viswanathan, M. (2011). Health Literacy Interventions and Outcomes: An Updated Systematic Review. Evidence Report/Technology Assesment No. 199. Prepared by RTI International–University of North Carolina Evidence-based Practice Center under contract No. 290-2007-10056-I. Rockville, MD. Agency for Healthcare Research and Quality.
DIFG 2015
Evenson et al. (2015)
Ferney et al. 2009
Hess (2015)
Lenartz, N., Soellner, R. & Rudinger, G. (2014). Modellbildung und empirische Modellprüfung einer Schlüsselqualifikation für gesundes Leben. Gesundheitskompetenz. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung 2/2014: Gesundheit. 29-32.
Manganello, J.A. (2008). Health literacy and adolescents: a framework and agenda for future research. Health Educ Res. 23(5):840-7.
Neville, L., O'Hara, B., & Milat, A. (2009). Computer-tailored physical activity behavior
change interventions targeting adults: a systematic review. International Journal of
Behavioral Nutrition and Physical Activity, 6(1), 30.
Pourzanjani, A., Quisel, T. & Foschini, L. (2016). Adherent Use of Digital Health Trackers Is Associated with Weight Loss. PLoS ONE 11(4): e0152504
Sørensen K, Van den Broucke S, Fullam J, Doyle G, Pelika J, Slonsk Z, Brand H (2012) Health literacy and public health: A systematic review and integration of definitions and models. BMC Public Health 12:80
Taylor, T. K., Webster-Stratton, C., Feil, E. G., Broadbent, B., Widdop, C. S., &
Severson, H. H. (2008). Computer-based intervention with coaching: an example
using the Incredible Years program. Cognitive behaviour therapy, 37(4), 233-246.
TNS Infratest 2016
Van den Berg, Marleen H, Schoones, J. W., & Vliet Vlieland, Theodora P M. (2007).
Internet-based physical activity interventions: a systematic review of the literature.
Journal of medical Internet research, 9(3), e26.
Wang, J.B., Cadmus-Bertram, L.A., Natarajan, L., White, M.M., Madanat, H., Nichols, J.F., Ayala, G. X. & Pierce, J.P. (2014). Wearable Sensor/Device (Fitbit One) and SMS Text-Messaging Prompts to Increase Physical Activity in Overweight and Obese Adults: A Randomized Controlled Trial. Telemedicine and e-Health. 21(10):782-92.
Ware, L. J., Hurling, R., Bataveljic, O., Fairley, B. W., Hurst, T. L., Murray, P., Foreyt, J. P. (2008). Rates and Determinants of Uptake and Use of an Internet Physical Activity and Weight Management Program in Office and Manufacturing Work Sites in England: Cohort Study. Journal of Medical Internet Research, 10(4), e56.
El-Amrawy, F. & Nounou, M.I. (2015). Are Currently Available Wearable Devices for Activity Tracking and Heart Rate Monitoring Accurate, Precise, and Medically Beneficial?Healthc Inform Res. 21(4):315-320.

Bilder: fotolia.com

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