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e-Sport – ein Thema spaltet die Nation

Erstellt am: 17.08.2018 | Kategorie: Szene,
e-Sport – ein Thema spaltet die Nation

Volker Ebener – von Unternehmer zu Unternehmer

e-Sport – ein Thema spaltet die Nation

Zum 1. Treffen nach der Neuwahl des Vorstandes hatte der DIFG-Vorsitzende R. Scholz am 12. Mai 2018 in den Raum oder besser in die Halle eingeladen, die einmal das Mirai werden soll. Nun ist das Thema Mirai, dessen Konzept in den letzten Monaten mehrfach geändert wurde, in der deutschen Fitnesswelt recht umstritten. Das letzte veröffentlichte Konzept weicht vom ursprünglichen Konzept „Trainieren gegen Daten“ nahezu komplett ab und sieht jetzt den Focus in der Vermarktung von Mietflächen, auf welchen dann eine Art Dauerausstellung stattfindet.

Ähnlich intensiv, aber mit einer weitaus höheren medialen Resonanz, ist das Thema „e-Sport“ belegt, um das es in diesem Meeting des DIFG ging. Offensichtlich handelte es sich dabei jedoch nicht um eine Info-Veranstaltung, vielmehr brachte es der Geschäftsführer des DIFG Prof. Dr. Nagel in seiner Einführung direkt auf den Punkt: Wir sind hier versammelt, um die beiden Branchen e-Sport und Fitness zusammenzubringen. Was auch sonst niemand im Raum wusste, war die Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation wenige Tage später die Online-Spielsucht offiziell als Krankheit einordnet. Die WHO beschreibt in dem dazu herausgegebenen Katalog eindeutige Symptome, die Ärzten die Diagnose erleichtern sollen. Diese zeigen sich insbesonders da - durch, dass ein Mensch alle anderen Aspekte des Lebens dem Online-Spiel unterordnet und trotz negativer Konsequenzen weitermacht, und das über einen Zeit raum von mehr als 12 Monaten.

Ob für die Mehrheit der versammelten Mitglieder überhaupt eine solche Zusammenarbeit infrage kam, wurde nicht abgefragt. Es wäre aber sehr interessant gewesen, denn nicht nur ich bin nach dem Studium vieler Presseveröffentlichungen zu diesem Thema mit einer ablehnenden Haltung zur Thematik „eSport“ ins Mirai gefahren und habe dann die Veranstaltung mit der Einstellung verlassen: e-Sport gilt es zumindest als Phänomen anzuerkennen und zu akzeptieren. Denn e-Sport ist mit ca. 30 Millionen Gamern und e-Sporttreibenden riesengroß, wobei die Zahl der begeisterten Spieler weiterhin wächst.

Was spaltet den DOSB, die Bundesregierung und sogar die Bevölkerung insbesondere in der Sache e-Sport so sehr?

Es begann mit dem Koalitionsvertag der neuen GroKo, bei dem sich Union und SPD einheitlich für die Anerkennung von e-Sport als Sport aussprachen und sogar die Bemühungen von e-Sport um Aufnahme in die Olympischen Spiele unterstützen wollen. Das brachte den „Deutschen Olympischen Sportbund“ auf den Plan. Denn Deutschland hat als einziges EU-Land keinen Sportminister, weil der Sport in Deutschland sich selbst verwaltet. Urplötzlich trifft der Staat bzw. die Politik dann aber eine Entscheidung in Sachen Sport. Unabhängig davon, dass dies dem Grundsatz der Selbstverwaltung im Sport widerspricht, bringt der DOSB aber auch noch gewichtige Gründe ins Spiel, wie: zu geringe körperliche Aktivität, zu viel Gewalt, zu viel Kommerz und natürlich jetzt die WHO-Einstellung zu den Gefahren der Online- Spielsucht.

Nachdem dann auch der größte Landesverband im DOSB, der LSB NRW, nochmals seine großen Bedenken gegen die „Ballerspiele“ geäußert hat, scheint es für e-Sport wohl ein langer Weg über die Anerkennung als Sportart und die Vergabe der Gemeinnützigkeit nach §58 Abs. 2 der Abgabeordnung bis hin zur Steuerbefreiung zu sein. Doch, wie bereits eingangs erwähnt: Man muss e-Sport anscheinend irgendwie akzeptieren – mit den vielen Millionen Gamern und „e-Sportlern“, mit bereits über 30 Millionen Aktiven und endlos vielen Sponsoren alleine in Deutschland. Dabei haben Automobilhersteller, IT’ler, Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, Bekleidungsgiganten etc. offensichtlich auch bereits das schnelle Wachstum dieser Bewegung zum Anlass genommen und suchen nun die Nähe zum e-Sport mit seinen vielen Millionen Spielern.

Selbst unsere Bundesregierung scheint diesen milliardenschweren Koloss aus den USA für so gewaltig zu halten, dass der Jugendschutz bei einigen „Ballerspielen“ hintenangestellt wird. Recht sachlich analysierte der erste Redner der Runde Dr. Christopher Grieben, der sich seit fünf Jahren mit der Forschung rund um e-Sport an der SpoHo Köln beschäftigt, das Thema e-Sport. Zunächst als kleines Forschungsprojekt gestartet, finanziert von Red Bull, wuchs das Projekt von Jahr zu Jahr und hat heute eine der größten Krankenkassen als Finanzier, denn diese sehen einen Zugang zu den Azubis, die sie bislang kaum oder gar nicht erreichen konnten. Zu den Messungen an den Trainierenden führte Dr. Grieben dann aus, dass z.B. beim Cortisolspiegel und der Herzfrequenz ähnliche Steigerungen bei e-Sport Turnieren gemessen werden wie bei anderen Wettbewerbssportarten. Doch diese Steigerungen kann man bei vielen Menschen auch beim Betrachten eines Horrorfilms feststellen.

Ist das Fitnesstraining mit e-Sport-Profis ein Markt für Unternehmen unserer Branche?

Besonders belastet werden beim e-Sport Rücken und Schulter, Handgelenke, Augen etc. Nun gilt es den e-Sportler von den Gamern zu unterscheiden. Die e-Sportler spielen gegen andere Menschen und vor einem Publikum oft an einem Tag über zehn Stunden, die Gamer mehr oder weniger relaxed gegen den PC. Die Zahl der Zuschauer beim e-Sport steigt weiterhin enorm und beim Spielen am PC schaut selten jemand zu. Dem Gedanken, dass gerade die in den oberen Ligen spielenden e-Sportler ein entsprechendes Fitnesstraining betreiben, stufte der forschende Doktor als sehr positiv ein, nur sei der Begriff „Gesundheit“ unter den e-Sportlern absolut un-sexy. Erfolg bei dieser Zielgruppe könne man nur dann haben, wenn man am Best Practice-Beispiel belegen kann, dass Fitnesstraining die Leistung eines e-Sport-Spielers steigert. Erste Versuche dafür gibt es schon. In Deutschland sind es aktuell nur einige hundert e-Sportler, die erfolgreich an Turnieren teilnehmen. Trotzdem könnte der durchs Fitnesstraining unterstützte Erfolg eines Spitzenspielers sicher viele andere Spieler für das Fitnesstraining motivieren und eventuell auf die Gamer sogar überschwappen. Dr. Grieben ergänzte: „Das Sitzen ist heute das Rauchen von gestern“.

Potenzial ist da, aber für wen ist es wirklich nutzbar?

Nicht vergessen sollte man aber auch das Risiko, dass gerade junge Menschen durch e-Sport eher von körperlicher Bewegung „weggelockt“ werden könnten.Generell führten es auch die anderen Referenten vom ESBD e.V. Niklas Timmermann und Michael Heina von Nielsen Sports wie folgt aus: e-Sport und Game-Spieler sollen ein für die Wirtschaft unendlich großes Potenzial bergen. e-Sport könne im Vergleich zu Schach, das als Sportart vom DOSB anerkannt wird, jedoch keine Disziplin bei den Olympischen Spielen ist oder Schießen (als Sportart bei den olympischen Spielen vertreten) sicher mindestens genauso berechtigt sein, eine olympische Disziplin zu werden. Einen Schwerpunkt im Markt übernähmen immer mehr die sogenannten Strategiespiele. Die Problematik der „Ballerspiele“ werde auch durch die inzwischen auf dem Markt befindlichen Fifa-Spiele geringer, da diese eine beliebte Alternative darstellen. Gleichzeitig wächst durch solche Spiele die Zahl der Frauen und Mädchen im e-Sport. Man muss die normative Kraft des Faktischen akzeptieren. Ob jetzt mit olympischen oder „nur“ mit weltmeisterlichen Medaillen ausgezeichnet: „e-Sport erobert den Weltmarkt“. Und seine hohe Publikums Attraktivität lockt Sponsoren und Geld an. Schön wäre es, wenn man dann noch von den „Ballerspielen“ wegkäme und gegen das lange Sitzen Fitnesstraining verordnen würde.

Es wird mit unterschiedlichem Maß gemessen: Verstanden habe ich allerdings nicht, weshalb sich unsere Regierungskoalition dazu berechtigt fühlt, e-Sports zum gemeinnützigen Sport und zur Olympischen Sportart zu machen. Fitnesstraining aber, wo niemand daran zweifelt, dass es gesund und Sport ist, immer noch NICHT als gemeinnützige steuerfreie Sportart anzuerkennen, wie das allerdings momentan in Italien passiert.

Das europäische Gesetz erlaubt, dass geringere oder gar keine Mehrwertsteuer auf Gesundheitssport in Deutschland erhoben wird. Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es hier eher um Marketing und Geld als um Gesundheit geht. Auch während der interessanten Vorträge im Mirai zeigte sich, dass der Mirai-Eigentümer R. Schaller bereits in Deutschland in das Thema e-Sports involviert ist. Vielleicht wird ein e-Sport-Champ Nachfolger von Wladimir Klitschko bei der Werbung für McFit. Die versprochene klare Trennung zwischen Mirai und McFit findet also nur eingeschränkt statt. Wir werden die Anstrengungen sowohl der Eltern, die gewaltverherrlichende Spiele ihrer Kinder auf dem Handy oder Lap-Top nicht akzeptieren wollen, der Suchtprävention der Bundesregierung und der Sportverbände weiterhin beobachten und darüber berichten.

Volker Ebener

Bildquellen: ©Homunkulus28 - fotolia.com, ©glisic_albina - fotolia.com

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