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Fitnesstraining für Diabetiker - Teil 1: Die Sicht des Mediziners

Erstellt am: 18.10.2011 | Kategorie: Fitness, Gesundheit,
Fitnesstraining für Diabetiker - Teil 1: Die Sicht des Mediziners

Diabetes Hanteln

Diabetes ist die größte und teuerste Volkskrankheit. Die zunehmende Verbreitung von Diabetes stellt vor allem unser Gesundheitssystem vor Probleme. Fitnessstudios können Diabetikern helfen, ihrer Krankheit mit Kraft und Ausdauer entgegen zutreten und die Ausmaße der Volkskrankheit Diabetes zu reduzieren. Das Ziel muss sein, Diabetiker ins Fitnessstudio zu bewegen. F&G erklärt die Notwendigkeit und den Nutzen des Fitnesstrainings für Diabetiker für Patienten UND Studios aus unter schiedliche Perspektiven. Dr. Meinolf Behrens von der AG Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft verdeutlicht im ersten Teil unserer Serie die Sicht des Arztes.

Übersetzt heißt Diabetes mellitus "honig süßer Durchfluss". Schon die Ärzte im Altertum kannten die Stoffwechselerkrankung bei der der Urin süß wie Honig riecht.
Heute sind in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Etwa weitere drei Millionen wissen nicht, dass bei ihnen die Erkrankung bereits vorliegt.

Die Dimension des Problems

Bei 95 % der Betroffenen liegt ein Diabetes Typ 2 vor, der abgesehen von wenigen Ausnahmen durch mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung hervorgerufen wird. Seltener, in etwa 5% der Fälle, liegt ein Diabetes Typ 1 vor, der in der Regel bereits im Kindesund Jugendalter auftritt. Während der Typ-1-Diabetiker sofort eine Insulintherapie be nötigt, steht für Typ-2- Diabetiker eine effektive Lebensstilintervention im Vordergrund aller therapeutischen Bemühungen, vor allem durch Steigerung der körperlichen Aktivität.
Die rasche, epidemieartige Ausbreitung der Volkskrankheit Diabetes stellt unser Gesundheitssystem medizinisch und ökonomisch vor eine riesige Herausforderung. Handlungsbedarf ergibt sich auf unterschiedlichen Ebenen. Für Fitness- und Gesundheitsstudios in Deutschland ergibt sich aber gerade aus den genannten Zahlen und den beschriebenen Zusammenhänge eine große Chance, die bisher wenig berücksichtigte, wachsende Zahl von aktuell 7 – 10 Millionen Diabetikern gezielt anzusprechen.

Hoher Preis für den Wohlstand

Ein unzureichend behandelter Diabetes führt nicht selten zu diabetischen Folgeerkrankungen, die an unterschiedlichen Organen auftreten. Grob unterschieden werden Folgeerkrankungen, die mit Veränderungen an den kleinen Gefäßen (mikroangiopathisch) einhergehen von solchen, die auf Schäden an den großen Gefäßen (makroangiopathisch) zurückzuführen sind.

Abbildung 1

Bei der Entwicklung der makrovaskulären Komplikationen spielen neben dem Nikotinkonsum weitere Erkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung, die man bei Typ-2-Diabetikern häufig vorfindet, eine entscheidende Rolle.
Der Preis, den wir in erster Linie als Ergebnis eines inaktiven Lebensstils zahlen, ist hoch: Einer Untersuchung von Liebl zur Folge treten in Deutschland jährlich 27.000 Herzinfarkte, 44.000 Schlaganfälle, 27.900 Amputationen, 8.300 Dialysebehandlungen und 6.000 Erblindungen als Folge einer Diabeteserkrankung auf.

Bewegung lautet die richtige Antwort – aber wie?

Typ-1-Diabetiker benötigen eine Insulintherapie. Grundlage der Therapie des Typ-2-Diabetes ist aber eine aktive Lebensstilintervention. Medikamente und insbesondere Insulin sind hier zunächst Therapeutika der zweiten Wahl.
Die Zielsetzungen bei der Ausübung körperlicher Aktivität sind bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern unterschiedlich. Für den Typ-2-Diabetiker ist die körperliche Aktivität das wichtigste Instrument in der Therapie des Diabetes.

Abbildung 2

Die Bedeutung körperlicher Aktivität für die Gesundheit ist schon in der Antike bekannt gewesen.

"Alle Teile des Körpers, die zu einer Funktion bestimmt sind, bleiben gesund, wachsen und haben ein gutes Alter, wenn sie mit Maß gebraucht werden und in den Arbeiten, an die jeder Teil gewöhnt ist, geübt werden. Wenn man sie aber nicht braucht, neigen sie eher zu Krankheiten, nehmen nicht zu und altern vorzeitig". Hippokrates; um 460 bis 370 v. Chr.

Selbst Hippokrates dürfte aber kaum erahnt haben, dass etwa 2400 Jahre später sich der Bewegungsmangel mit seinen gesundheitlichen Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder auch Krebserkrankungen zu einer Geißel der Menschheit des Computerzeitalters entwickelt hat.
Wissenschaftlich belegt ist, dass eine gute körperliche Leistungsfähigkeit unser Leben verlängert – und zwar unabhängig von einer mitunter vorliegenden Grunderkrankung.
Gesichert und unbestritten ist der Nutzen körperlicher Aktivität für Menschen mit Diabetes.
Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining allein verbessern die glykaemische Kontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. Bei kombiniertem Training ist der Benefit allerdings am größten.
Unter Beachtung individueller Risikokonstellationen und Trainingsempfehlungen ist ein Kraft-Ausdauertraining für Diabetiker als sicher einzustufen.

Gesundheitsorientiertes Training für Diabetiker

Voraussetzung für ein erfolgreiches Training ist zweifelsfrei Freude und Spaß an der jeweiligen Bewegungsform. Gesundheitsorientierte Programme sprechen idealerweise die sensomotorischen Hauptbeanspruchungsformen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination an.

In einem gesundheitsorientierten Bewegungsprogramm sollten sich daher in Abhängigkeit von den physischen, psychomentalen und natürlich auch gesundheitlichen Voraussetzungen des Trainierenden Elemente aller genannten Beanspruchungsformen in unterschiedlicher Gewichtung wiederfinden.

Was gilt es zu beachten?

    • Eine begleitende medikamentöse Diabetestherapie kann in Abhängigkeit von den ausgewählten Medikamenten mit einem Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykaemien) im Rahmen der körperlichen Aktivität einhergehen (Abbildung 3). Diesbezüglich sollte jeder Diabetiker über sein individuelles Risiko informiert sein und gleichzeitig über Maßnahmen der Vorbeugung sowie gegebenenfalls auch der Therapie geschult sein.

Abbildung 3

  • Bestehende diabetesbedingte Begleit- und Folgeerkrankungen müssen bei der Erstellung von Sportund Bewegungsprogrammen unbedingt berücksichtigt werden.
  • Prinzipiell ist eine gezielte (sport-)medizinische Untersuchung vor (Wieder-)Aufnahme körperlicher Aktivität immer sinnvoll; dies gilt sicherlich für Menschen ohne Diabetes genauso wie für Menschen mit Diabetes.

Unbedingt nötig ist eine gezielte fachärztliche Untersuchung, wenn:

  • die Diabetesdauer über zehn Jahren oder das Lebensalter über 35 Jahren liegt;
  • eine diabetesbedingte Folgeerkrankung bereits vorliegt;
  • ein Diabetes mellitus Typ 2 vorliegt.

Abbildung 4

Die Rolle der Fitnesstudios

Für die Erarbeitung eines optimalen, gesundheitsorientierten Trainingsprogramms benötigt der Übungsleiter/ Trainer medizinische Vorinformationen. Dies setzt beim Übungsleiter/Trainer neben sporttherapeutischen auch medizinische Qualifikationen voraus.
Zahlreiche Fitnessstudios sind aufgrund personeller, apparativer und struktureller Voraussetzungen grundsätzlich in der Lage, abwechslungsreiche Sport- und Bewegungsprogramme für Menschen mit Diabetes anzubieten, die dem besonderen Anforderungsprofil unter sporttherapeutischen und medizinischen Aspekten gerecht werden.
Um Menschen mit Diabetes bei der qualitätsgerichteten Auswahl eines Studios zu helfen, hat die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) mit Unterstützung von diabetesDE gemeinsam mit dem TÜV Rheinland Kriterien für ein Gütesiegel "Fitness-Training für Diabetiker" erstellt. Für Fitnessstudios besteht der Vorteil des Siegels darin, sich als qualitativ hochwertige Fitnessanlage mit guten personellen, apparativen und strukturellen Voraussetzungen positiv von weniger qualifizierten Anbietern abgrenzen zu können.

Abbildung 5

Das Kölner Studio "Just Fit" an der Amsterdamer Straße hat als erstes Fitnessstudio in Deutschland im April 2011 das Güte siegel erhalten – F&G hatte in Ausgabe 3/2011 darüber berichtet.
Die AG Diabetes und Sport der DDG erhofft sich von der Zertifizierung des Kölner Studios "Just Fit" eine Signalwirkung für andere Studios. Weitere Informationen zur Zertifizierung von Fitnessstudios finden Sie auf der Homepage der AG Diabetes und Sport der DDG (www.diabetes-sport.de). Die Prüfkriterien und sämtliche Formulare können auf der Homepage vom TÜV Rheinland (www.tuvcom.de) eingesehen bzw. runter - geladen werden.
Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Diabetes und Sport sind auch Grundlage des entsprechenden Moduls in der neuen A-Lizenz-Ausbildung des DFAV. Diese Fortbildung zu Diabetes & Sport, die in Kooperation von AG Diabetes und Sport der DDG und DFAV im Rahmen der A-Lizenz (Medical Fitness) angeboten wird, gilt als Basisqualifikation Diabetes im Rahmen der TÜV-Zertifizierung für die zu zertifizierenden Fitnessstudios.

Dr. med. Meinolf Behrens

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