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Fitness- & Gesundheitstests im Studio – was wirklich Sinn macht

Erstellt am: 07.06.2018 | Kategorie: Gesundheit, Fitness,
Fitness- & Gesundheitstests  im Studio – was wirklich Sinn macht

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen!

Prof. Dr. Theodor Stemper von der Bergischen Universität Wuppertal, Ausbildungsdirektor des DFAV e.V., erläutert, was sich für den Einsatz in einem Studio wirklich eignet und beantwortet die nachfolgende Frage: Welche Formen der Diagnostik und Analyse sind aus sportwissenschaftlicher Sicht für ein Studio sinnvoll?

Erfreulicherweise ist es heute in professionell aufgestellten Studios eine Selbstverständlichkeit, dass der aktuelle Funktions- und Leistungszustand des jeweiligen Kunden vor der Erstellung eines Trainingsplans er­mittelt wird. Für die Anerkennung als zertifiziertes PRAE-ZERT-Studio ist dies seit 2017 sogar zwingend notwendig. In der Praxis gibt es nun eine Vielzahl von Möglichkeiten, die verschiedenen motorischen Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Ko­ordination) sowie weitere Faktoren, wie z.B. die Körperzusammensetzung, messbar zu machen. Vor diesem Hintergrund soll dieser Artikel praxisnahe Möglichkeiten für eine professionelle Diagnostik im Fitnessbereich aufzeigen, inklusive einer grundlegenden Bewertung aus sportwissenschaftlicher Sicht.
In den letzten Jahren kann man ganz klar eine Entwicklung vom klassischen Fitnessstudio mit leistungssportlicher Ausrichtung hin zum Studio mit ge­sundheitsorientiertem Schwerpunkt beobachten. In der Folge ist eine gewisse Grauzone entstanden zwischen Fitness und Medizin, die auch den Bereich der Anamnese & Diagnostik betrifft. So werden mittlerweile neben den klassischen Fitnesstests zunehmend auch Verfahren eingesetzt, die traditionell eher in Bereiche wie Physiotherapie, Orthopädie, innere Medizin oder Sportmedizin gehören.

Klassische Fitnesstests

Traditionell gibt es für die Diagnose in Fitness- & Gesundheitsstudios wissenschaftlich etablierte Verfahren und Methoden. Ziel ist dabei stets die Erfassung des jeweiligen Ist-Zustands (Status quo) des Sportlers respektive Kunden. Dafür werden individuelle Messwerte festgehalten und mit alters- sowie geschlechtsbezogenen Normwerten in Bezug gesetzt, als Vergleichsmaßstab für den getesteten Kunden. Das ermöglicht einen „interindividuellen (sozialen) Vergleich“, der die Beantwortung der Frage erlaubt: „Wie gut ist das Ergebnis im Vergleich zu Normwerten?“

Im Rahmen von Wiederholungstests (Re-Checks) wird im Regelfall eine Verbesserung sichtbar gemacht, die sich aus dem Training, also der praktischen Konsequenz aus der Statusdiagnose, ergibt. Diese Verbesserung lässt sich zum einen wiederum über Normwerte darstellen, die zum Vergleich herangezogen werden, zum anderen aber auch – im Sinne einer Verlaufsdiagnose –, indem die Werte des ersten Checks als Vergleichswert herangezogen werden. Dieser „intraindividuelle Vergleich“ ermöglicht die Beantwortung der Frage: „War der Messwert aus Test B besser als der aus Test A?“. Hierdurch können Aussagen über die Leistungsentwicklung, über Trainingsprozesse und über die Effektivität von Trainingsmaßnahmen abgeleitet werden. Natürlich sind auch Fälle denkbar, in denen durch Re-Tests keine Verbesserungen oder sogar Verschlechterungen gemessen werden. Dann ist es aus Sicht des Kunden, aber auch aus Sicht des Studios, umso wichtiger, dass gemessen wurde. Denn so können die notwendigen Optimierungen des Trainingsplanes eingeläutet werden.

Die in der Studiopraxis gelegentlich immer auch noch vorzufindenden „selbstgestrickten Tests“ sollen an dieser Stelle zwar erwähnt, aber nicht thematisiert werden, da sie den Ansprüchen qualitätsorientierter Studios nicht standhalten.
Die üblicherweise in der professionellen Studiopraxis eingesetzten Tests beziehen sich vor allem auf die in Tabelle 1 (siehe oben) beschriebenen Bereiche.

Stammdaten & Anamnese

Bevor wir uns mit den einzelnen Daten beschäftigen, soll an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die aktuell verschärften Vorgaben im Bereich Datenschutz zwingend einzuhalten sind!

Wie aus der Tabelle 1 (siehe rechts) zu ersehen ist, ähnelt der Ablauf eines kompletten Fitnesschecks im Studio zumindest in Grundzügen den Empfehlungen, die auch in der Orthopädie, Allgemeinmedizin oder Sportmedizin vorliegen (vgl. z B. Dickhuth et al., 2007). In Fitness- & Gesundheitsstudios geht es letztlich darum, Menschen adäquat zu belasten und kein Risiko zu übersehen. Dazu sollte in der Regel die Nachfrage ausreichen, ob aus ärztlicher Sicht Bedenken gegen Aufnahme eines Trainings bestehen oder ob Einschränkungen dafür genannt werden.

Inhaltlich aussagekräftig ist sicher eine – datenschutzgerechte – Erfassung der Stamm­daten: z.B. Name, Vorname, Alter, Geschlecht. Allzu umfangreiche Fragebögen, die neben den berechtigten Fragen nach Sport-Anamnese (Trainingserfahrung) und den individuellen Trainingszielen bzw. -wünschen auch alle erdenklichen Vor­erkrankungen, Lebensgewohnheiten und Medikamenteneinnahmen abfragen, sind dagegen eher kritisch zu bewerten – auch aus Gründen des seit dem 25.05.2018 verschärften Datenschutzes. Aus praktischer Sicht ist hier aber in jedem Fall eine Risiko­abfrage per Fragebogen in Anlehnung an den PAR-Q-Bogen (Physical Activity Readiness Questionnaire) zu empfehlen. 

Nur der Arzt kann und muss letztlich über mögliche Kontraindikationen gegen das Training entscheiden. Werden vom jeweiligen Trainer dennoch ergänzend dazu exogene Risikofaktoren wie Fehlernährung, Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel, Stress, Umwelt­belastungen und soziales Umfeld abgefragt, dann sollte das nur im Sinne der optimalen Anpassung des Trainingsprogramms an die Lebensbedingungen des Kunden erfolgen oder für die weitere Verarbeitung der Informationen durch das Studiomanagement – nicht aber zur Diagnostik, geschweige denn hinsichtlich therapeutischer Empfehlungen.
Immer gilt aber bei allem, dass man im Studio vorher überlegen sollte, ob man dort mit der Auswertung der gestellten Fragen auch etwas anfangen kann und nicht Fragen um der Fragen willen gestellt werden.

Anthropometrie & physiologische Messungen

Nach dem Anamnesegespräch folgen im Regelfall Messungen und Tests, z. B. zur Bestimmung des Körpergewichts, der Körperumfänge und physiologischer Parameter. Den Abschluss bilden motorische Tests (Flexibilitätstest, Krafttests, Haltungsauffälligkeiten, Ko­ordinationstest, Ausdauertests), welche die Fitnessdiagnostik komplettieren.
Klassisch sind nach wie vor die Bestimmung von Körperhöhe und -gewicht mit geeichten Geräten, sowie die Errechnung und Bewertung des BMI. Aus gesundheitswissenschaftlicher Sicht lassen sich zudem aus der Relation von Körpermaßen wertvolle Rückschlüsse über eventuelle Gefährdungen erzielen. Zum Beispiel gelten Werte von > 1,0 (Männer) bzw. 0,85 (Frauen) in der Waist-to-Hip-Ratio (Taillen- zu Hüftumfang) als Indikator für abdominelle Adipositas; neuere Risiko-Werte zur Waist-to-Height-Ratio von > 0,5 setzen sich dagegen erst allmählich durch. Gleichzeitig können (klassische) Körperumfangmessungen aufzeigen, ob deutliche morphologische Veränderungen durch Training (Zu- oder Abnahme) erzielt wurden.

Diese Messungen sind, wie auch die wichtige Bestimmung von Maßen der Körperzusammensetzung (bes. zu Fett- und Muskelanteilen) durch z. B. Caliperimetrie und Bio-Impedanz-Messung, sicher im ureigensten Bereich von ausgebildeten Fitnesstrainern anzusiedeln – sofern diese mit den Verfahren und deren Auswertung vertraut sind. Ko­operationen mit Medizinern wie auch Ökotrophologen sind hier aus Sicht der gesundheitlich umfassenden Beratung und Betreuung der Fitness-Kunden natürlich wünschenswert.


 Grenze zwischen Fitness & Medizin

Als physiologische Tests im Studio, die im Kontext eines gesundheitsorientierten Trainings unproblematisch, sinnvoll und zuverlässig sind, können die Bestimmung von Blutdruck und Herzfrequenz in Ruhe und bei Belastung genannt werden. Dabei sollte es primär darum gehen, bisher unbekannte bzw. verkannte Abweichungen vom Normbereich zu identifizieren. Sollte das der Fall sein, folgt der Rat zur ärztlichen Abklärung.

Grauzonen ergeben sich zunehmend dann, wenn apparative Verfahren in Fitness- & Gesundheits­studios zur Bestimmung weiterer Parameter, wie (Herz-)Stress o. ä. Einzug finden, die zwar kein EKG im eigentlichen Sinne durchführen, aber im Vorfeld bei Risikogruppen klären sollen, ob eine weitere Untersuchung, z. B. durch EKG oder Herz CT, ratsam wäre.

Gleiches gilt für Tests von Stoffwechselsituation, Blutparametern oder sogar genetischer Disposition. In der Hand unerfahrener Personen ist damit trotz der automatisierten Auswertungen ein nicht unerheblicher Schaden durch Fehldiagnose oder falsche Analyse möglich – ganz zu schweigen vom potentiellen Image-Schaden. Wenn also solche Messungen erfolgen, dann nur mit klarer Fragestellung. Auch hier gilt: Steigen die inhaltlichen Anforderungen an den jeweiligen Trainer, der Testung und Auswertung vornimmt, ist eine entsprechende Qualifizierung zwingend notwendig.


Motorische Funktions- & Leistungstests

Tests um des Testens willen sind unsinnig: Daher sollte der Test einer sinnvollen Fragestellung entspringen. Tests erfordern adäquat qualifiziertes Personal: Deswegen ist stets die Trainerkompetenz zu prüfen bzw. durch Weiterbildung zu optimieren.

Problematisch ist inzwischen im Bereich der Funktions- und Leistungstests die Fülle technischer und konzeptioneller Neuentwicklungen. Vor allem die „blutigen“ Testverfahren, wie Stoffwechselanalysen (Blutzucker, Laktat, Fettstoffwechsel u.a.), halten auch immer mehr Einzug in gesundheitsorientierte Fitnessstudios. Es versteht sich von selbst, dass hier nur qualifiziertes, medizinisches oder medizin-technisches Personal mit der Durchführung und Auswertung betraut werden darf.


Kundengruppen 50 plus

Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Lebensalter und sind damit potentiell von degenerativen Erkrankungen bedroht. Bei allen Tests mit dieser Zielgruppe ist besondere Sorgfalt angezeigt, so z. B. bei einem Ausdauerleistungstest als wichtigste Funktions- und Leistungsprüfung des Herz-Kreislauf-Systems oder bei einem klassischen PWC-Test (Physical Working Capacity; Messung der in Watt angegebenen mechanischen Leistung eines Menschen bei definierter Herzfrequenz).

Entsprechende Regeln sind dazu in der Fachliteratur ausführlich dokumentiert und in den qualitativ hochwertigen, zielgruppenspezifischen Aus- und Weiterbildungen für Trainer (z. B. beim DFAV e.V.) sowie den klassischen Sportlehrerausbildungen verankert. Sie müssen unbedingt beachtet werden.


Fazit

Eine sachgerechte, qualitativ hochwertige Fitnessdiagnostik ist heute für gesundheitsorientierte Fitnessanlagen unerlässlich. Dabei ist die Qualität der Diagnostik abhängig von der wissenschaftlichen Güte des Verfahrens, der hochwertigen apparativen Ausstattung, aber nicht zuletzt auch von der Sachkompetenz des Personals.

In jedem Fall ist stets die adäquate Qualifizierung des Personals sicher­zustellen, das gilt für die Durchführung der Test genauso wie für die Auswertung und die anschließende Besprechung der Ergebnisse mit dem jeweiligen Kunden. Was man dabei nicht aus dem Blick verlieren sollte, ist der Sinn der eingesetzten Tests.

Bei der praktischen Durchführung sind in Fällen, die den medizinischen Bereich tangieren, Kooperationen mit externen Fachkräften aus den Bereichen Medizin, Ökotrophologie sowie Physiotherapie in vielen Fällen notwendig, sinnvoll und wünschenswert.

Prof. Dr. Theodor Stemper


Literatur

Bös, K. (Hrsg.) (2001). Handbuch Motorische Tests. Göttingen: Hogrefe.
Dickhuth, H.-H., Mayer, F., Röcker, K. & Berg, A. (Hrsg.) (2007). Sportmedizin für Ärzte. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.
DIFG (Hrsg.) (2012). White Paper 2012. Bonn: Leppelt.
Hollmann, W. & Hettinger, Th. (2000). Sportmedizin. Stuttgart, New York: Schattauer.

 

Fotos: © KostaKostov – Fotolia.com / © StudioLaMagica - Fotolia.com

 

 

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