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F&G-Insider-Interview mit Paul Underberg

Erstellt am: 08.02.2018 | Kategorie: Szene,
F&G-Insider-Interview mit Paul Underberg

F&G-Insider-Interview mit Paul Underberg

>> Ich bin immer noch mit Herz und Verstand Unternehmer! <<


Paul Underberg ist über zwei Jahrzehnte einer der prominentesten Köpfe der Fitness- und Gesundheitsbranche gewesen. Als Gründer und Geschäftsführer der INLINE Unternehmensberatung und des Franchise-Systems INJOY hat er die Branche in ihrer heutigen Gestalt mit geprägt und vertreten – insbesondere auch auf dem politischen Parkett. 2016 verkauft er seine Anteile an den Schweizer Konzern Migros und war danach als Geschäftsführer für die INLINE Unter­nehmensgruppe tätig. Zu Beginn des Jahres 2017 trennten sich die Wege von Migros und Paul Underberg. F&G-Verleger Volker Ebener hat Paul Underberg zu einem exklusiven Interview getroffen.Paul Underberg im Gespräch mit F&G-Verleger Volker Ebener



F&G: Paul, ziemlich genau zwölf Monate nach deinem Ausstieg bei INLINE/INJOY zunächst die Frage, wie geht es Dir?
Paul Underberg: Danke, sehr gut. Ich habe alles, was man benötigt, damit es einem gut gehen kann. Gesundheit, eine tolle Frau, zwei klasse Kinder, ein paar richtig gute Freunde, wertvolle Aufgaben, inspirierende Hobbys.

F&G: Dein Weggang kam für viele sehr überraschend. War das – mit Abstand betrachtet – richtig und gut?
Paul Underberg: Ich will und kann nicht beurteilen, ob die Trennung für das Unternehmen – und um das geht es ja schließlich – letztendlich richtig oder falsch war. Das wird sich zeigen.

F&G: Du hast INLINE vorher weit über 20 Jahre praktisch allein geführt und jetzt kommt im Januar bereits nach knapp einem Jahr der 3. Geschäftsführer nachdem sich Rene Kalt wieder in die Aufsicht zurückzieht und weitere Manager wie Valerie Huck, vormals MERIDIAN, sind auch schon eingestellt worden.
Paul Underberg: Eine Unternehmensgruppe wird konzernmäßig – und das sage ich bewertungsneutral – in der Denke, Vorgehensweise und Arbeitskultur also anders geleitet als inhabergeführt. Das weiß ich jetzt.
Ich habe die Unternehmensgruppe, INLINE und INJOY allerdings immer so gemanagt, dass die Kunden, der Markt, die Marke, die Mitarbeiter profitieren konnten. Und ich bin mir sicher, dass der neue Gesellschafter, sprich Käufer, das Unternehmen nach einer über Jahre wechselseitig wertschätzenden und konstruktiven Zusammenarbeit sowie intensiven Prüfungen nicht erworben hätte, wenn ich meinen Job zuvor nicht gut gemacht hätte. That‘s it.

F&G: Bewegt Dich das abrupte Ausscheiden heute noch?
Paul Underberg: Nicht mehr. Die Handlungen der Menschen leben ja fort in den Wirkungen. Und ich bin sicher, dass dort meine Gedanken über kurz oder lang an Gewicht gewinnen werden.

F&G: Gibt es eine Beziehung zur neuen Geschäftsführung?
Paul Underberg: Zu der Geschäftsführerin, die jetzt schon 13 Monate im Amt ist, gab es keine wirkliche Beziehung. Stephan Pfitzenmeier – erst seit dem 1.1. 2018 Geschäftsführer ­­– habe ich gerade erst mit seinem guten Background kurz kennengelernt und glaube und hoffe, dass ihm die Führung in Verbindung mit den Wachstumszielen gelingt; zumal er nach meinen Erkenntnissen ja immer noch von vielen tollen, qualifizierten Menschen umgeben ist, die die Unternehmensgruppe mit mir so weit nach vorn gebracht haben.

F&G: Es gibt gerade ein Gerücht, dass Du Dich an einem anderen großen Branchenunternehmen beteiligen wirst?
Paul Underberg: Da weißt Du mehr als ich.

Paul UnderbergF&G: Wie geht’s es Dir denn heute persönlich?
Paul Underberg: Nach dem Verlust so einer Aufgabe, erkennt man, was es auch zurück zu gewinnen gibt. Zeit und Selbstbestimmtheit sind dabei ganz wesentlich.
Die Schulterklopfer sind jetzt auch weg. Mein Handy klingelt ­morgens nicht mehr um 6.30 Uhr, sondern eher gegen 9.00 Uhr oder so.
Ich bin immer noch mit viel Herz und Verstand Unternehmer, betreibe das INJOY Dorsten auf Wachstumskurs und bin an einem INJOY-lady und zwei INJOY-Xpress aktiv beteiligt; ich habe in diesem Jahr mehrere Vorträge außerhalb der Branche gehalten, als Dozent ehrenamtlich gearbeitet, privat zwei große Pflegheime gebaut und viel mehr qualitative Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen können. Alles gut.

F&G: Ist INLINE/INJOY die große Liebe Deines Geschäftslebens gewesen?
Paul Underberg: Ich habe nun fast mein ganzes bisheriges Leben in der Fitnessbranche verbracht und tue es immer noch. Da sind Freundschaften, Vertrauensverhältnisse und sehr enge Verknüpfungen entstanden. Einige, was ja nicht selbstverständlich ist, sind stabil geblieben. Die großen Gestaltungsansprüche sind immer noch da und die Ansätze dazu auch
Das Herzstück allerdings, aus dem alles mal entstanden ist, ist mein Fitness-Club in Dorsten.

F&G: Viele, die Dich kennen, können sich den Ruhestand bei Dir nicht vorstellen!
Paul Underberg: Ich ja auch nicht. Man sagt ja, Pioniere ziehen weiter und Siedler bauen aus (lacht).

F&G: Ich könnte mir vorstellen, dass viele interessiert sind nach Deinem offensichtlichen Wettbewerbsverbot, auf Deine Expertisen, Deine Erfahrungen und Dein Standing zugreifen zu können? Wann läuft denn Dein Wettbewerbsverbot aus?
Paul Underberg: Besonders in den letzten Wochen habe ich viele Anfragen für eine strategische Beratung und Coaching bei möglichen Unternehmenskäufen und -verkäufen (M&A; MBO etc.), auch aus der Industrie und branchenübergreifend erhalten.
Ich werde nur das tun, was ich gut kann und gerne mache. Das Wettbewerbsverbot läuft 2018 aus.

F&G: Geht’s direkt ab 2018 los?
Paul Underberg: Nicht das Datum entscheidet, sondern jetzt mehr die Aufgaben an sich, mit dem Leidenschaftspotential und die Freude an den Dingen, die sich daraus jetzt ergeben.

F&G: Gibt es schon eine neue Idee für die Fitnessbranche?
Paul Underberg: Ideen allein verändern ja bekanntlich noch nichts. Meine Stärke als Berater in dieser Branche war es immer wie ein Studiobetreiber denken und handeln zu können, Synapsen zu schaffen zwischen dem Unternehmen, der Kundschaft und den Kunden, die man noch nicht hat.
Epochale Projekte mit Problem­lösungen für Unternehmen und Reputation für die gesamte Branche liegen mir, weil ich durchaus groß denken und danach handeln kann.
Ja, es ist was in der Pipeline.

F&G: Du bist ja auch Privatier. Was treibt Dich denn jetzt noch an?
Paul Underberg: Ab einem gewissen Alter ist jedes Jahr, das man gesund erlebt ein Privileg. Einerseits genieße ich das, anderseits treibt mich das auch weiterhin an und meine Frau mich aus dem Haus (lacht).
Ich kann zwar nicht immer machen, was ich will, aber ich muss auch nicht mehr machen, was ich nicht will und kann hingegen das tun, was ich gut und gerne tue.
Die tägliche Disziplin, sich selbst und andere verbessern zu wollen – auch übrigens als Vater – und bei Rückschlägen nicht den Mut zu verlieren, konsequent zu sein, sind als Erfolgsprinzipien bei mir im Alltag ja nicht verloren gegangen.
Das kostet ja nicht nur Kraft, sondern beflügelt auch. Wenn meine jugendliche Ungeduld nun etwas abgestumpfter sein mag, habe ich dafür Durchhaltevermögen, Erfahrung, eine stoische Besessenheit, Dinge durchzusetzen und lasse mich von den sogenannten Konditionen des Lebens und der Gesellschaft nicht mehr manipulieren.

F&G: Wie siehst du den kommerziellen Fitnessmarkt aktuell?
Paul Underberg: Nun, ich möchte hier nicht das wiederholen, was andere Branchenkenner schon alles gesagt haben; aber der Markt und die Branche entwickeln sich dynamisch und drastisch und für viele leider auch dramatisch weiter. Der ständige Wandel, der z.B. mit sich bringt, dass auch große Discounter wie in anderen Branchen (Flug­linien, Handel, Hotelketten) unter Druck geraten, wird ebenso kommen. Qualität nimmt weiter zu und der Mut zur Abgrenzung wird helfen. Wir stoßen bald auf Dinge, zu denen es bislang nicht einmal Fragen gab!

Paul UnderbergF&G: Wie siehst Du das angekündigte Projekt THE MIRAI in Oberhausen?
Paul Underberg: Nun, jeder der in unserer Branche mit einer neuen Idee um die Ecke kommt, gilt zunächst als Spinner – bis sich diese Idee dann am Markt durchsetzt. Hier lautet die Überschrift allerdings: „Wenn der Parasit seinen Wirt frisst ….“.
Ich sehe das deswegen kritisch, weil es grundsätzlich keine gute Botschaft ist, wenn Fitnesstraining nichts mehr kostet, weil es auch nicht gerade das öffentliche Vertrauen fördert und den redlichen Unternehmer an den Pranger stellt, der nicht in der Lage ist, preisgestaltend durch Quersubventionen alles aufzufangen. Bedenklich.
Gehe ich vier Mal im Monat mit meinem Sohn ins Kino sind 100 Euro weg. Gehen wir ins Kinderspielparadies kostest das auch 60 Euro und eine Hotelübernachtung schnell mal 100 Euro, 1 Arzt­besuch ca. 50 Euro – warum also muss Fitnesstraining so billig gemacht werden?
Wer hat denn schon erwartet, dass man für 30 Euro nach Mallorca fliegen kann? Und das aktuelle Ergebnis mit den unter Druck geratenen Fluglinien kennen wir.
Völlig ohne Not wird eine Dienstleistung, die Königsklasse aller Trainingsformen, das Muskeltraining an den besten Geräten mit gesundheitsfördernder Wirkung deutlich unter Wert angeboten. Es ist eher zerstörerisch als förderlich. Ob es für den Anbieter am Ende des Tages wirtschaftlich, gut oder schlecht ist, kann und will ich jetzt nicht beurteilen.

F&G: Wie wird die Preisentwicklung Deiner Einschätzung nach allgemein sein?
Paul Underberg: Ich hatte ja gedacht: tiefer geht’s schon nicht mehr. Dann so was. Fakt ist aber, wenn ich an der Preisschraube drehe, muss ich auch an der Leistungs- und/der Mengenschraube drehen. Durch die hohe Sachkompetenz – nicht Fachkompetenz – nein, durch die hohe Sachkompetenz der Discounter hat man dem Luxussegment jedenfalls ein Stück weit die Preisspitzen genommen. Nach dem Motto: Wer das Massenprodukt Fitness zum Luxusgut macht, muss damit rechnen, dass sich die Masse verabschiedet, wenn der Preis zu hoch wird. Das heißt der Preis wird sich einpendeln und zwar gebunden an Dienstleistungen.

F&G: Wo führt das insgesamt hin?
Paul Underberg: Im Ansatz ist die Entwicklung ja zu erkennen. Die Discounter machen sich jetzt selber Druck und können kaum noch an der Preisschraube drehen, also wird wieder aufgerüstet. Kurse mit „echten“ Instructoren, Trainer kommen hinzu, Technik und Equipment schaukeln sich hoch, während die Marken zunehmend an essenzieller Distanz zueinander verlieren – mit dem Ergebnis, dass alle wie schon vor Jahren, nun aber mit höherem Marktsättigungsgrad, fast gleich sind und die Kannibalisierung bei gleich hoher Fluktuation beginnt.
Ich sehe, dass viele Individualisten die enorme Druckwelle immer noch unterschätzen und sich der Markt zudem von ihnen weg entwickelt. Ihre über Jahre aufgebaute lokale Bekanntheit ist dann allein kein Erfolgsmuster mehr. Man kennt also das Unternehmen, aber man geht dennoch nicht hin. Schrecklich! Auch, weil diesen Unternehmen der Mut zur Abgrenzung – als Wettbewerbsfaktor – fehlt.
Sogenannte Qualitätsunternehmen müssen zwangsläufig noch abgrenzender und qualitativer werden, das erlebbar machen und kommunizieren. Leistungskommunikation also , was eine Herausforderung für sich ist.

F&G: Die Chancen?
Paul Underberg: Anderseits wird körperliche Fitness heute immer mehr zu einem Statussymbol. Je älter desto bedeutsamer. Das bringt eine Studie gerade hervor. Fitness ist laut der Umfrage für Menschen im Alter wichtiger als die eigene Immobilie!
Dann die Prävention und die zunehmende Reputation des Muskeltrainings. „Liebe Deinen Körper statt Deinen Nächsten“, tenort es in den Medien, die Begriffe mit offensichtlich kultischen Ausmaßen „Wellth“, „Bodycaring“ etc. sind absolute Treiber. „Nicht Kleider machen Leute, Häute mache Leute“, las ich letztens.
Frauen wollen zu dem weltweit stark statt dünn sein/werden, Langzeitstudien belegen, dass Training zehn Jahre jünger macht und so weiter, und so weiter.
Wäre doch schade, an diesen Megatrends nicht partizipieren zu können!
F&G: Paul, vielen Dank für Deine Einschätzungen und das offene Ge­spräch.

Paul Underberg im Gespräch mit F&G-Verleger Volker Ebener











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