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Gibt es den ultimativen Leistungstest für eSportler?

Erstellt am: 26.09.2018 | Kategorie: Fitness,
Gibt es den ultimativen Leistungstest für eSportler?

Aktuelle Möglichkeiten zur Messung der Leistungsfähigkeit im eSport aus Sicht der Sportwissenschaft

Gibt es den ultimativen Leistungstest für eSportler?

Der folgende Artikel bietet Einblick in die Möglichkeiten der Trainingssteuerung im eSport, die für alle Studios und Trainer interessant sind, die sich für die Thematik eSport interessieren.

Was müssen eSportler trainieren, um besser zu werden? Wie sieht eine optimale Trainingssteuerung im eSport aus? Wann müssen Pausen eingelegt werden? Diesen Fragen gehen Wissenschaftler im Sport schon seit Jahrzehnten auf den Grund. In den klassischen Sportarten erfolgt die Trainingssteuerung primär nach bekannten Trainingsprinzipien, zu denen u.a. das Prinzip des trainingswirksamen Reizes, das Prinzip der richtigen Belastungsabfolge oder auch das Prinzip des optimalen Verhältnisses von Belastung, Regeneration und Erholung gehören. Im eSport dagegen basiert die Trainingssteuerung häufig auf dem Prinzip „trial and error“ und/oder „viel hilft viel“, da diese Prinzipien im Mutterland des eSport, in Korea, genauso realisiert werden.

Gerade im europäischen Kontext nimmt im Bereich eSport auch die subjektive Einschätzung von (ehemaligen) Spielern, Analysten und Coaches erheblichen Einfluss auf die Trainingsgestaltung. Es wird so trainiert, wie „es eben auch bisher schon gemacht wurde“ und wie es die übermächtigen Vorbilder, z.B. aus Asien, vorleben. Aufgrund der völlig anderen kulturellen Hintergründe sowie der zunehmend größeren Ausdifferenzierung der unterschiedlichen Spiele mit ihren unterschiedlichen Anforderungen an die Fähigkeiten der Spieler kann das jedoch kein Zukunftsmodell für die Entwicklung und Optimierung der Professionalisierung im eSport sein. Dieser Artikel liefert erste Erkenntnisse über die notwendigen Fähigkeiten von professionellen Gamern (= Anforderungsprofil). Ergänzend wird aufgezeigt, wie man diese Fähigkeiten unter standardisierten Bedingungen messen kann und wie mögliche Trainingsempfehlungen für eSportler aussehen können.

Belastungs- & Anforderungsprofil

Zur Festlegung und Überprüfung der stärksten leistungsbeeinflussenden Fähigkeiten im professionellen Gaming hat man an der Deutschen Sporthochschule in Köln einleitend mehrere moderierte Workshops sowie Interviews mit eSport-Profis durchgeführt. Teilnehmer der Workshops waren unter anderem erfahrene Spieler und Profis aus unterschiedlichen Spielgenres, Analysten sowie Wissenschaftler aus dem Bereich der Sportwissenschaft. Das Ergebnis war die Bestimmung des Leistungsprofils von leistungsorientierten Gamern bis hin zu Profis, aus dem unmittelbar Konsequenzen für die tägliche Trainingsarbeit abgeleitet werden können.

Das Belastungs- und Anforderungsprofil professioneller eSportler kann als sehr umfassend und speziell beschrieben werden. Es ist nicht mit dem Leistungsprofil von Athleten in anderen Sportarten zu vergleichen. Die Profi-Spieler benötigen eine extrem komplexe Grundkompetenz, bestehend aus einer sehr guten Wahrnehmungs-, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit, herausragenden koordinativen, besonders feinmotorischen Fähigkeiten sowie eine ausgeprägte Auge-Hand-Koordination und eine sehr hohe Stressresistenz. Grundvoraussetzung ist dabei eine überdurchschnittliche Auffassungsgabe, ein großes Spielverständnis und die Fähigkeit, die eigenen Stärken im Sinne des Teams einsetzen zu können.

Die Herausforderung für Wissenschaftler besteht nun darin, dass die genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten während eines Spieles nur bedingt messbar sind. Das Hauptproblem sind die in der Spielerrealität nicht vorhandenen standardisierten Bedingungen. Denn es lassen sich keine als identisch zu bewertende Spielsituationen regelmäßig wiederfinden. Ein zweites Problem liegt in der Tatsache, dass es in jedem Spiel verschiedenste Spielertypen und Positionen gibt, auch innerhalb der Teams, die wiederum aus mehreren eSportlern bestehen. Dementsprechend charakterisieren und beschreiben damit völlig unterschiedliche Faktoren sowie Fähigkeiten einen erfolgreichen Spieler. Bisher gibt es dazu keine validen Messinstrumente, die während eines Spiels eingesetzt werden können, ohne den Spieler in seinem Match zu beeinflussen.

Lösungsansatz an der SpoHo

Aus diesen Gründen eröffnete die eSport-Arbeitsgruppe an der Deutschen Sporthochschule Köln, unter der Leitung von Herrn Prof. Froböse, 2018 ein eigenes „eSport Lab“ (Labor). Die Arbeitsgruppe hat eine weltweit einmalige Assessment-Batterie in wissenschaftlichen Vorarbeiten entwickelt und aufgesetzt, um die genannten Fähigkeiten unter möglichst standardisierten Bedingungen überhaupt messbar zu machen. So gelingt es, die erfassten Daten zum einen zwischen den Spielern (z.B. Anfänger und Profispieler), und zum anderen zwischen den Spielgenres (z.B. Fifa und League of Legends) und Spielertypen (Schlüsselspieler oder unterstützender Spieler) zu vergleichen. Das Ziel dahinter ist, einerseits die Fähigkeiten zwischen Spielern besser im Vergleich zueinander bewerten zu können, andererseits Spieler potenziale und Talente zu entdecken. Darüber hinaus steht insbesondere die Ableitung fundierter und effektiver Trainingsprogramme im Fokus ebenso wie die Evaluation des Trainingsfortschritts.

Fazit für die Praxis:

Die neu entwickelte Assessmentbatterie:

• ... stellt die Grundlage für zukünftige Trainingsmaßnahmen im eSport dar.

• ... unterstützt Profis durch konkrete Empfehlungen bei der Leistungssteigerung.

• ... supported Akademien in der Identifikation bzw. Ausbildung von Nachwuchstalenten.

• ... zeigt auf, dass sich eine zukünftige Betreuergruppe im eSport aus einem multidisziplinären Team zusammensetzen muss.

Die weiterführende Analyse der Daten wird aufzeigen, welche der genannten Fähigkeiten besonders gut ausgeprägt sein müssen, um in verschiedenen Spielen und Spielerrollen erfolgreich zu sein. Unter www.esportwissen.de können sich interessierte eSportler melden, um sich (kostenlos) im eSport-Lab der Deutschen Sporthochschule Köln testen zu lassen. Anschließend bekommen die Spieler eine Einschätzung ihrer Fähigkeiten und Empfehlungen, durch welche Maßnahmen sie Defizite ausgleichen und eventuelle Leistungsreserven mobilisieren können.

Grieben, C., Wechsler, K., Rudolf, K. & Froböse, I.

Testmöglichkeiten für eSportler an der Deutschen Sporthochschule Köln

Die Assessmentbatterie setzt sich aus vier Teilaufgaben zusammen, die das komplexe Anforderungsprofil gemeinsam beschreiben können:

1. Feinmotoriktests

2. Kognitions- und Aufmerksamkeitstests

3. Wahrnehmungstests (mit Hilfe von Eye-Tracking)

4. Test der körperlichen Leistungsfähigkeit (mit Hilfe der Spiroergometrie)

1. Feinmotorik

Professionelle eSportler müssen während des Spiels unter enormen Zeitdruck hochpräzise Bewegungen mit hoher Frequenz ausführen. Minimale Abweichungen entscheiden oftmals über Sieg oder Niederlage. Die dafür benötigten feinmotorischen Fähigkeiten werden durch statische und dynamische Aufgaben für Finger-, Hand- und Armbewegung mithilfe einer motorischen Leistungsserie erfasst. Dazu gehören z.B. Tests zur präzisen Auge-Hand-Koordination oder zur Frequenzschnelligkeit.

2. Kognition & Aufmerksamkeit

Wie bei anderen Profi-Sportlern sind auch hier die mentalen Anforderungen an den einzelnen Sportler enorm. Wie gut nimmt ein Spieler mehrere Reize in einer dynamischen Spielsituation wahr? Wie schnell verarbeitet er diese und reagiert entsprechend? Ab welcher Komplexität verliert er einzelne Aspekte aus den Augen und lassen seine Fähigkeiten mit der Zeit nach? Diese Fragen werden mit Reaktionstests, einem Test zur geteilten Aufmerksamkeit und mit einer Untersuchung zur dreidimensionalen Wahrnehmung bearbeitet. Diese wird dabei besonders komplex getestet: Der Spieler muss eine bestimmte Anzahl an Objekten im Blick behalten und identifizieren, nachdem sie sich dynamisch durch den Raum bewegt haben und mit anderen Objekten vermischt wurden. Die Leistung in diesem Test wird schon in anderen Sportarten (z.B. Basketball) mit Parametern wie einer höheren Rate an erfolgreichen Pässen in Verbindung gebracht.

3. Wahrnehmung

Zusätzlich werden über eine Eye-Tracking Software die Augenbewegungen während eines Spiels erfasst. Dadurch lassen sich sogenannte Fixationen und Sakkaden (Blicksprünge) feststellen und eine Blickstrategie der Spieler ableiten. Bei einem Fifa-Spiel verfolgen Anfänger z.B. eher ausschließlich den ballführenden Spieler, während ein Profi auch die Laufwege seiner Mitspieler im Blick hat und deutlich häufiger auf die übergreifende Map schaut. Wesentliche Forschungsfragen dabei sind: Nehmen diese Fixationen im Spielverlauf zu? Und wenn ja, was für Auswirkungen wird das haben? Kann man Anfängern Hinweise geben, wie sie ihre Blickstrategie anpassen können, um relevante Informationen schneller aufzunehmen?

4. Körperliche Leistungsfähigkeit

Die Spiroergometrie ist ein bekanntes diagnostisches Verfahren aus dem klassischen Sport. Hierbei wird die stufenweise gesteigerte körperliche Belastung auf dem Ergometer mit einer gleichzeitigen Messung der Atemgase verbunden, sodass Aussagen über die körperliche Leistungsfähigkeit getroffen werden können. Auch hier können Empfehlungen für Trainingsmaßnahmen von eSportlern abgeleitet werden.


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