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Kollagen: vom Abfall zum Gesundheitsbooster?

Erstellt am: 14.10.2019 | Kategorie:
Kollagen: vom Abfall zum Gesundheitsbooster?

Neuer Hype in der Fitnessindustrie oder sinnvolle Nahrungsergänzung?

Kollagen: vom Abfall zum Gesundheitsbooster?

Selten hat ein Supplement einen so großen Aufstieg geschafft wie das Kollagen: Vom Abfallprodukt bei der Fleischverarbeitung über die Gummibärchen, die Kinder und Eltern froh machen, bis in die Schönheitskliniken. Nun soll es auch in der Fitnessindustrie zur unverzichtbaren Nahrungsergänzung gehören. Wir fragen nach bei Dr. Martina Ollesch, die das Kollagen für uns näher unter die Lupe nimmt.

Gibt es eine wissenschaftlich basierte, von der Praxis im Sport unterstützte Wahrheit, die das Kollagen für Sportler wirklich interessant und relevant macht? Kurz gesagt: Ja, eine Kollagensupplementierung ist tatsächlich ihr Geld wert.

Kollagen ist das im Tierreich – dazu gehört auch der Mensch – am weitesten verbreitete Protein. Kollagen macht 1/3 des menschlichen Strukturproteins aus. Es wird aus drei Aminosäurenketten gebildet, die als Helix ineinander verschlungen sind. Dieser Aufbau macht es perfekt für seine Aufgabe im Bindegewebe, in Sehnen, Knorpeln usw.: Hier hat es den wichtigen Auftrag, gleichzeitig Struktur, Festigkeit und Elastizität zu verleihen.

Wie kam es zur negativen Bewertung?

Kollagen besteht zu 35% aus Glycin, 21% Hydroxyprolin/Prolin und  11% aus Alanin. Das sind ohne Ausnahme nichtessentielle Aminosäuren, also solche, die der Körper selbst herstellen könnte. Gleichzeitig fehlt eine essentielle Aminosäure, das Tryptophan, dem Kollagenprotein völlig.

Wenn man sich jetzt überlegt, wie man üblicherweise die Proteinqualität eines Nahrungsproteins bzw. Supplements bewertet, dann wird schnell klar, wie dereinst Kollagen zu seinem schlechten Ruf als „Abfall“ kam.

Die Proteinqualität eines Nahrungs­proteins wird üblicherweise darüber bestimmt, wie viele essentielle Aminosäuren darin enthalten sind und ob sie zudem im gleichen Verhältnis darin vorliegen wie in menschlichen Proteinen.

Im Sport betrachtet man dazu die aufzubauende Struktur des Muskelproteins  und da schneiden Proteine wie Wheyprotein (Molkenprotein) aus der Milch oder das gute alte Steak sehr gut ab. Gleichzeitig käme demnach ein Protein wie Kollagen, dem eine essentielle Aminosäure sogar ganz fehlt, und das nicht­essentielle Aminosäuren unproportional im Überschuss enthält, niemals für die Muskelproteinsynthese – ja nicht mal für die Totalproteinsynthese im Körper als „hochwertig“ in Frage. Wozu sollte man also gerade dieses „minderwertige“ Protein brauchen?

Noch dazu, wo man gerade im Sport/Fitnesssport ja meist mehr als genügend hochwertiges Protein pro Tag zuführen würde. Die Zufuhrempfehlungen für Fitnesssportler liegen ja im Bereich von 2 g Protein pro kg Körpergewicht und aufwärts.

Was viele an dieser Stelle vergessen: Eine proteinreiche Ernährung sieht heute ganz anders aus als früher! Wurde früher ein Tier vollständig verwertet, also praktisch „alles mitgegessen“, so beschränkt sich heute der figurbewusste Sportler auf das Filet des Tieres oder das Schnitzel völlig ohne Sehnen, etc. – dadurch aber eben auch ohne „Kollagen“. Eine weitere Fehlannahme war, dass man lange Zeit glaubte, Kollagen wäre ein Protein im Körper, das sehr langlebig sei und nur ganz langsam abgebaut und deswegen auch selten erneuert werden müsste.

Genau das ist aber nicht der Fall!

Auch die Kollagenstrukturen im Körper müssen ständig erneuert und besonders natürlich nach Belastung auch repariert werden. Dazu ist der Körper aber direkt während der Belastung oder direkt danach auf das Anfluten genau dieser nicht-essentiellen Aminosäuren (jetzt semi-essentiellen Aminosäuren) im Blut angewiesen.

Auf den Punkt gebracht: Sind Glycin, Prolin und Alanin jetzt nicht in großer Menge im Blut vorhanden, kann nicht optimal repariert werden. Gelenk- und Sehnenschäden sind die Folge. Aus einem Wheyprotein oder Hühnerbrustfilet bekommt der Sportler diese Aminosäuren garantiert nicht.

Proteinkonsum gestern & heute

Wenn man die bindegewebigen Strukturen des Tieres, die heute bei der Vorbereitung von Fleischprodukten entfernt werden, einer Spaltung mittels starker Säuren unterzieht, erhält man Gelatine wie in Gummibärchen, Götterspeise oder Tortenguss. Erledigen Enzyme die Spaltung, erhält man das Kollagen, von dem wir in diesem Artikel sprechen.

Dabei können auch so genannte bioaktive Peptide entstehen, kurze Aminosäureketten, die im Darm oder sogar im  Blut des Menschen auftauchen und eine biologische Funktion ausüben können. So zum Beispiel einen positiven Effekt auf die knochenbildenden Zellen (Schutz vor Osteoporose) Reparatur im Gelenk, Entzündungshemmung o.ä.. Auch ungespaltenes Kollagen soll positive Effekte haben, zum Beispiel auf Autoimmunerkrankungen (rheumatische Arthritis). Hier ist die Forschung erst in den Anfängen, es lohnt sich auf jeden Fall aufmerksam zu bleiben und hinzuschauen.

Ganz abgesehen davon: Sicher wäre es sinnvoll, wenn man schon ein Tier zum Essen tötet, wieder mehr mitzuessen als nur das Filet – auch für die eigene Gesundheit!

Eine Notiz noch am Rande…

Ein Aminosäurenprodukt mit „kollagenem Hydrolysat“ zu strecken und dann mit dem Hinweis „zum Muskel­aufbau“ zu deklarieren, bleibt ge­nauso verwerflich wie zuvor. Denn zum Muskelaufbau ist Kollagen mit seiner ungewöhnlichen Aminosäuren­zusammensetzung  nicht geeignet, es wird hier als günstige Proteinquelle zum Strecken von hochpreisigerem Wheyprotein genutzt.

Hintergrundwissen

Essenzielle Aminosäuren:

• Isoleucin
• Leucin
• Lysin
• Methionin
• Phenylalanin
• Threonin
• Tryptophan
• Valin
• Histidin (Baby)

Nicht-Essenzielle Aminosäuren:

• Alanin (11% des Kollagens)
• Asparaginsäure
• Glutaminsäure
• Serin

Semi-essenzielle Aminosäuen

• Arginin
• Asparagin
• Cystein
• Glutamin
• Glycin (35% des Kollagens)
• Prolin (21% des Kollagens)
• Tyrosin

Einsatzgebiete für Kollagen-Supplements

Vorbeugung vor und Linderung von:

• Tendopathien (Sehnenerkrankungen durch Verschleiß, Über-oder Fehlbelastung)
• Gelenkproblemen
• Problemen mit der Knochendichte (Osteoporose)
• Hautverletzungen beim Sport

Durch all diese Faktoren eignet sich Kollagen insbesondere zur Supplementierung im Rahmen eines Krafttraining bei älteren Studiomitgliedern oder Menschen mit einem erhöhten Reparatur­bedarf/Verletzungsrisiko.

Dosierung: 10 ­– 15 g Kollagen vor der Belastung

Hintergrund: 10 ­– 15 g Kollagen sollten deswegen vor der Belastung eingenommen werden, damit die Aminosäuren und bioaktiven Peptide während der Belastung in erhöhter Konzentration im Blut vorliegen und direkt in die belasteten Strukturen zur Reparatur/Aufbau eingelagert werden können.

Leider gibt es bisher keine vegetarische Alternative! Die Daten­lagen dazu sind außerdem wenig vielversprechend.

Dr. Martina Ollesch

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