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Krise als Startrampe genutzt

Erstellt am: 14.11.2017 | Kategorie: Szene,
Krise als Startrampe genutzt

Mit Beziehung statt Kälte baut sich eine junge Trainerin ein eigenes Studio auf – das zieht Kundschaft an. Theresa Stock geht ihren eigenen Weg in der Fitness-Welt. Unterstützt wird sie dabei von Gründercoach Manuel Marburger.

Als Theresa Stock in den Spiegel schaut, ist sie entsetzt. Der jungen Frau rutscht die Lieblingsjeans über die Hüften nach unten. „Das war die Kehrtwende“, sagt die 24-Jährige im Rückblick. Bei einer Körpergröße von 171 Zentimetern zeigt die Waage damals noch 45 Kilogramm. Zeit etwas zu ändern. Theresa sucht einen Therapeuten auf und erhält die Diagnose, die viele junge Frauen trifft. Sie leidet unter Essstörungen. Die Ursache dafür sieht sie in einer starken Orientierung nach außen. „Ich habe oft gemacht, was von mir erwartet wurde“, erklärt die Bad Orberin. Nach der Realschule geht sie bei einem Steuerberater in die Lehre. Merkt aber schon nach wenigen Wochen, dass sie das stundenlange Sitzen vor dem PC nervt. Zur Belastung wird die Erkenntnis, das „noch 50 Jahre lang machen zu müssen.“

Kein leichter Einstieg

Die ambulante Therapie sieht Stock als Geschenk. Gibt sie ihr doch die Zeit, sich zu reflektieren. „Ich habe mich gefragt, auf was ich wirklich Lust im Leben habe“, sagt sie und findet Antworten: Sport. Und mit Menschen in Kontakt sein, ist ein Bild, das für sie als erfülltes Arbeitsleben passt. Mit Anfang Zwanzig lässt sie sich professionell bei der IST Hochschule (Düsseldorf) zur Sport- und Fitnesstrainerin ausbilden und rundet ihr Portfolio mit einer Ausbildung zum Ernährungscoach ab. Zusätzlich besucht sie etliche Kurse der IFAA Akademie (Schwetzingen).

Danach jobbt sie ein halbes Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff als Trainerin und beschließt, ein eigenes Studio zu eröffnen. Der erste Existenzgründungsberater schüttelt verständnislos den Kopf: „Da kann ich nur abraten“, ist sein Hinweis. Es gäbe viele zu viele Fitnessstudios; und Geld bekäme sie für eine Existenzgründung in der Branche von keiner Bank.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Doch Stock lässt sich nicht entmutigen. Über eine Freundin, sinnigerweise eine Bankerin, lernt sie Manuel Marburger kennen. Der Unternehmens­berater gründete vor Jahren eine eigene Firma für Industriekletterer, baute sie auf 50 Mitarbeiter aus und verkaufte sie mit einem Millionengewinn. Als „Muver“ hilft er heute Mittelständlern ihren geschäftlichen Fokus zu finden.

Bei Theresa bedeutet das ihre Ideen als Firmenkonzept auf Papier zu bringen. Gemeinsam schreiben die beiden Hessen einen Businessplan. Marburger hat Erfahrung mit Gründern. „Ich unterstütze Menschen, die wie Theresa vor Energie strotzen“, erklärt der Inves­tor, der sich an ausgewählten Geschäftsideen durchaus auch beteiligt. Erinnern sie den ehemaligen Gründer und heutigen Berater doch an seine eigene Geschichte. Marburger hat sich durchgebissen, drei Berufe gelernt und etliche Hürden als Unternehmer genommen. Der Praktiker kennt die Kniffe. Und Stocks Plan greift.

Firmenfitness & Boot-Camp

Wäre der Spruch: „Draußen zuhause“, nicht schon von einer Textilfirma belegt, würde er perfekt zu Stock passen. Bei drei großen Firmen ist sie mittlerweile als Fitnesstrainerin engagiert. Bis zu vier Kurse pro Kunde und Woche gibt sie dort. „Wenn das Wetter mitmacht, nehme ich die Teilnehmer mit nach draußen“, erklärt sie. Den Kopf lüften, nennt sie das. Ein kleines Boot-Camp mit Liegestützen an der Gartenbank und Treppenläufen wirkt Wunder, so die quirlige Trainerin, die am liebsten ohne Gräte und mit dem eigenen Körper arbeitet.

Ganzheitlicher Ansatz & flexible Verträge

Ihr Studio nennt sie „In Motion“. In Bewegung bleiben sollen die inzwischen mehr als 60 Kursteilnehmer, die Theresa am liebsten ganzheitlich betreut. Wenn Sport und Ernährung im Einklang sind, werden Körper und Geist fit, ist ihr Credo. Deshalb war es für die Jungunternehmerin auch unvorstellbar, in einem der großen Studios anzuheuern. Eiweißshakes und Maschinensport sind nicht ihre Welt. Im Geschäftsplan spiegelt sich diese Haltung wider. Neben Verträgen mit sechsmonatiger Laufzeit bietet Stock Zehnerkarten an. Variabilität statt Knebelverträge, das goutieren die Kunden. Bis August wollen sie und ihr Freund Benjamin (32) das Studio um einen zweiten Kursraum auf rund 180 Quadratmeter erweitern. Malern, bodenlegen und Gestaltung – alles erledigen die beiden eigenhändig.

Mit Kraft zu weiteren Zielen

„Deshalb geht es der Ein-Frau-mit-Freund-Firma auch wirtschaftlich gut“, bilanziert Berater Marburger. Das Startkapital im niedrigen fünfstelligen Bereich hat sie sich bei Verwandten geliehen und bezahlt es inzwischen in Raten zurück. Bis in fünf Jahren will Theresa drei bis vier Mitarbeiter beschäftigen. Kriterium: Der Mensch steht im Mittelpunkt. „Mir ist es wichtig, in Beziehung zu gehen“, sagt sie. Das soll so bleiben. Dann kann das Wachstum kommen.

Den Rat vieler, als Chefin müsse sie eiskalt sein, ignoriert Stock übrigens beflissentlich. „Das ist nicht meine Welt“, betont die engagierte Existenzgründerin, die im harten Fitness-Markt ihre Vorstellung von erfüllter Arbeit lebt. Und auch Marburger sieht die talentierte Unternehmerin auf stabilem Kurs. Sein Fazit: „Theresa hat die Marktlücke gefunden – und sie hat die Kraft, ihr Geschäft voranzutreiben“. Nächste Meilensteine stehen überdies an. Das Studio in Bad Orb soll weiterer ausgebaut werden in Richtung gesundheitsorientiertes Training. Und ein zweiter Studio-Standort ist ebenso schon in ­Planung.                                                                                 

Hendrik Stüwe

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