Brandneu Aktuelle Ausgabe Newsletter abonnieren
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige - - Anzeige - - Anzeige -
- Anzeige - - Anzeige - - Anzeige -

Wie gestresst sind Sie?

Erstellt am: 15.06.2018 | Kategorie: Gesundheit, Marketing & Sales,
Wie gestresst sind Sie?

Chronische Dauerbelastung ist eine der verbreitetsten Gesundheitsrisiken

Start der Serie: Umgang mit Stress (1)

Wie gestresst sind Sie?

 Im 21. Jahrhundert gehört chronischer Arbeits- und Alltagsstress zu den am weitesten verbreiteten Gesundheitsrisiken. Im ersten Teil seiner neuen Serie „Umgang mit Stress“ zeigt Prof. Dr. Lothar Seiwert die Unterschiede zwischen Positiv- und Negativstress auf und erklärt, wie man einer solchen Dauerbelastung am sinnvollsten entgegenwirkt.

Stress ist ein Massenphänomen. Wir schuften wie die Hamster im Rad, und das dreht sich schneller und schneller. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Die Folgen: Das Ausgebranntsein verbreitet sich wie eine Epidemie. Nach einer Studie der AOK haben sich die Krankschreibungen aufgrund von Erschöpfungssymptomen seit dem Jahr 2004 verneunfacht. 54 Millionen Fehltage aufgrund psychischer Störungen wurden zuletzt bundesweit verzeichnet. Ein Krankheitstag kostet das Unternehmen etwa 400 Euro. Die jährlichen Einbußen, die Unternehmen durch psychische Krankheiten verzeichnen, belaufen sich den Berechnungen der Bundesregierung zufolge auf 26 Milliarden Euro.

Der Arbeitsplatz ist Stressfaktor Nummer eins

Man muss nur an die Arbeit denken – und schon reagiert der Körper mit Stress, fanden britische Forscher heraus. Die Wissenschaftler vom University College London nahmen Speichelproben von 75 Testpersonen. Sie stellten fest: Das Stresshormon Cortisol ist eine halbe Stunde nach dem Aufstehen nur an Arbeitstagen erhöht, am Wochenende ist der Spiegel niedriger.  Jede psychische Belastung löst im Körper eine Stressreaktion aus, die mit dem Gefühl der Angst einhergeht. Man arbeitet mehr, als einem guttut. Die Zahl der Überstunden wächst mit der Angst um den Job. Für einen Austausch mit Kollegen und Kaffee ist keine Zeit mehr. Druck fördert die Boshaftigkeit am Arbeitsplatz. Und Mobbing macht krank. Kein Wunder: Globalisierung, Technisierung, Flexibilisierung, Outsourcing, Just-in-Time-Produktion führen dazu, dass immer weniger Menschen immer mehr arbeiten müssen. Jeder zweite Arbeitnehmer sagt, der Stress habe in den letzten Jahren zugenommen. Für viele ist die Grenze des Erträglichen längst überschritten. Der Arbeitsplatz ist Stressfaktor Nummer eins, so eine DGB-Umfrage, jeder fünfte Arbeitnehmer kommt auf zehn Überstunden pro Woche aufgrund der wachsenden Arbeitsbelastung, 52 Prozent fühlen sich gestresst und gehetzt.

Stress pur – auch daheim

Sie kennen das wahrscheinlich: Sie müssen nur Ihren Computer anmachen, Ihren Posteingang sichten oder Ihre Mailbox abhören: doppelt so viele E-Mails wie früher, doppelt so viele Anrufe ... Das heißt aber auch: Wir müssen doppelt so viel arbeiten – und uns doppelt so oft entscheiden, welcher Schritt als nächster zu tun ist. Nicht nur das Berufsleben, auch der Alltag verlangt laufend überlegte Entscheidungen: Welche Telefon- oder Stromgesellschaft, welcher Mobilanbieter ist am günstigsten? Welche Waschmaschine arbeitet ökologisch? Welche Versicherung ist die richtige für mich? Ständig muss man up to date sein. Ein Software-Update jagt das nächste. Stress pur. Weil viele das nicht ertragen, nehmen sie Drogen – sie dopen sich, um im Tempoland mitrasen zu können. Oder sie setzen auf Alltagsdrogen wie Kaffee, Nikotin und Energydrinks. Andere beruhigen sich mit Alkohol (»Alcoholics«), Schokolade (»Schokoholics«) oder noch mehr Arbeit (»Workaholics«), um vom hohen Stresslevel herunterzukommen.

Die alltägliche Reizüberflutung

Sogar die Freizeit läuft nach der Stoppuhr, im Takt des Adrenalins. Was zuerst tun? Wie viele Aktionen bringe ich in meinem Freizeitpaket namens Wochenende unter: Einkaufen, Wäsche waschen, Großeltern besuchen, Kino, Fitnessstudio, Wildwasser-Rafting, Kneipe gehen, Motivationsseminar, Yogakurs? Virtuelle Kontakte (SMS, Mail, Facebook & Co.) ersetzen die reale Kommunikation, das Gespräch mit dem Freund, der Freundin – weil es schneller und unverbindlicher geht. Im Urlaub jettet man mal eben ans Ende der Welt, um dort schnell viel zu erleben. Abgestumpft durch die ständige Reizüberflutung, holt man sich die Extraportion Adrenalin im Bootcamp-Training oder am Bungee-Seil. Bereits den Kindern fehlt es an Zeit zum Spielen, Träumen und Nachdenken.
Häufig erschöpft, morgens schon todmüde; oft unkonzentriert, ängstlich oder konfus; Schlafstörungen, Magenschmerzen, Nackenverspannung, Depressionen, Herzrasen. So zeigt sich chronischer Stress – und der führt zum Burn-out, der totalen Erschöpfung. Im Stress verliert die Seele die Balance, und der Körper rotiert mit in diesem Strudel. Hat der Arbeitsstress Sie im Griff? Ja, wenn Sie Ihr Mittagessen am Schreibtisch essen und länger in der Arbeit bleiben, um fertig zu werden. Ja, wenn Sie schlecht einschlafen, weil Sie immer noch an die Arbeit denken. Ja, wenn Sie lieber vor dem Fernseher versacken, statt Ihre freie Zeit in die schönen Dinge des Lebens zu investieren. Ja, wenn Sie sich oft nicht gut fühlen – obwohl Sie nicht krank sind.

Manche Menschen reagieren gelassen, andere unterliegen dem Tanz der Stresshormone. Woran liegt das?

 
Gene:  Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.
Mutter:  Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.
Kindliche Erfahrungen:  Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Entwicklung unserer Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.
Persönlichkeit:  Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.
Charakter:  Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit
und Misstrauen erhöhen das Infarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel. Eine Studie an 300 Harvard-Absolventen zeigte: Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor bewältigen Stress besser.
Selbstbestimmung:  Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer aus- geliefert ist, desto höher das Infarktrisiko. Wertschätzung:  Wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder einem angemessenen Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.
Status:  Wer eine gute Stellung in der Gesellschaft hat, verfügt auch über einen Panzer gegen Stress. Das ist auch bei Pavianen zu beobachten: Gerät das Leittier durch einen Konkurrenten in eine Stresssituation, schnellt der Cortisolspiegel hoch, normalisiert sich aber rasch wieder. Bei den Rangniedrigeren ist der Cortisolspiegel ständig erhöht.
Gruppendruck:  Fehlende Unterstützung im Betrieb bis hin zum Mobbing erhöhen das Krankheitsrisiko.
Beziehungen:  Studien zeigen, dass Menschen, die viele Freunde und Verwandte haben und sich in diesem Kreis wohlfühlen, weniger schwer und weniger häufig erkranken als Menschen, die viel allein sind oder Probleme in der Familie haben.
Glaube:  Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht, die das Schicksal zum Guten wenden wird, beugt vielen Krankheiten vor.
 

Ein gewisses Maß an Stress weckt den Geist, aktiviert den Körper und gibt uns die Energie, eine Aufgabe zu bewältigen. 

Eustress und Disstress

Stress hat aber auch eine sinnvolle Seite, denn wir können ohne Stress nicht leben. Früher brauchten wir ihn, um vor dem Säbelzahntiger zu fliehen. Heute brauchen wir ihn, um unser Verhalten an eine sich ständig wandelnde Umwelt anzupassen, um flexibel zu reagieren, um Neues zu lernen. Ein gewisses Maß an Stress weckt den Geist, aktiviert den Körper und gibt uns die Energie, eine Aufgabe zu bewältigen. Hat man sie geschafft, lehnt man sich zurück, ist zufrieden und entspannt. Der sogenannte Eustress ist die Voraussetzung für das Glück des Augenblicks. Das Sein im „Hier & Jetzt“, wie ein Kind mit seinem neuen Spielzeug, ein Jazzmusiker am Saxofon. Ziel ist, dass Sie Ihr Stresspotenzial für sich nutzen, es umwandeln in eine Antriebsfeder. Dafür brauchen Sie Wege aus dem Disstress, dem chronischen, belastenden Stress.  Man sitzt auf dem Fahrrad, tritt träumerisch dahin. Plötzlich sieht man aus dem Augenwinkel einen Mercedes, der einem die Vorfahrt nimmt. Signal zum Gehirn: Gefahr! Der Hypothalamus setzt CRH (Corticotro- pin-releasing Hormon) frei. Dieses löst eine Hormonkaskade aus, Hunderte von biochemischen Prozessen, die die körperliche Stressreaktion ausmachen. Das sympathische Nervensystem setzt im ganzen Körper den Botenstoff Noradrenalin frei. Das Nebennierenmark stößt Adrenalin aus. Beide Stoffe mobilisieren sekundenschnell Energie. Die Nebennierenrinde produziert das Stresshormon Cortisol. Vorbei das Träumen: Das Herz schlägt schneller, Blut schießt in die Muskeln, in das Gehirn. Jetzt heißt es: aufwachen, Lenker rumreißen, vom Rad springen, dem Autofahrer die Faust zeigen, hinsetzen, geschafft! Entwarnung, ausatmen, lächeln und entspannen. Stress vorbei.

Spüren Sie auf, was Ihnen Stress bereitet 

Schreiben Sie auf, was Sie belastet. Bitte beantworten Sie dazu folgende Fragen:
• Was stresst mich aus meiner Umwelt?
• Wie reagiere ich, wenn ich gestresst bin?
• Warum fühle ich mich überhaupt gestresst?
 • Wie setze ich mich selbst unter Druck?
• Was könnte ich ändern?
• Wie möchte ich künftig reagieren?
• Wie kann ich mich entspannen? 

„Fight or Flight“

Die Reaktion unseres Körpers auf Bedrohung ist uralt. Ein Relikt aus der Zeit, als es jagend und sammelnd nur darum ging, den Tag zu überleben. Und dafür gab es zwei Möglichkeiten: »fight or flight«, Angriff oder Flucht. Heutzutage bedroht uns nicht mehr der Säbelzahntiger, sondern das Kündigungsschreiben, der Computerabsturz, der brüllende Chef oder schon der pure Gedanke daran.  Noch heute macht Stress den modernen Großstadt-Neandertaler bereit für Angriff (ziemlich sinnlos, wenn der Gegner ein Auto ist) und Flucht (in diesem Fall der erfolgreichere Weg). Fliehen, Fahrrad retten, entspannen, und alles ist gut. Es gibt Menschen, die ihr neues Leben feiern. Im Geiste mit einem Glas auf ihren Schutzengel anstoßen, im Körper auf »Entwarnung« schalten. Die mit sich, der Welt und ihren kleinen Schicksalsschlägen in Balance sind. Die auf ihren Körper hören. Denn der wünscht sich nach vollbrachter Höchstleistung wieder zurück in die Normalität. Es gibt aber auch Menschen, die das Gefahrenlämpchen weiter rot blinken lassen. Die sich hinsetzen und grübeln: »Ich fahr lieber nicht mehr mit dem Rad in die Arbeit. Immer muss mir das passieren. Bestimmt hab ich mir ein Nackentrauma zugezogen. Ich hätte mir das Nummernschild merken sollen«. Der Stress geht weiter. Das Cortisol kreist weiter. Der Körper läuft weiter auf Stress. Und das macht krank. Denn Cortisol-Spritzchen beschert uns das Leben jeden Tag. Es kommt also ganz darauf an, wie wir Stress erleben. Positiv-Denker sind vor negativen Stressfolgen gefeit, ergab eine Studie der Universität von Kalifornien an 700 Managern. Jene Führungskräfte, die Stress als Herausforderung ansahen, waren gesünder und biologisch jünger als die eher pessimistischen Teilnehmer der Studie.
Eigentlich spricht die Psychologie heute nicht mehr von negativem und positivem Stress, von Eu- und Disstress. Es gibt nur einen Stress – entscheidend ist die Art, wie man ihn bewältigt. Das heißt in der Fachsprache »Coping«. Für den einen ist eine Rede zu halten eine Herausforderung: Die Stresshormone putschen zur Höchstleistung auf. Für den anderen ist eine Rede zu halten eine Katastrophe: Die Stresshormone blockieren, machen ihn zum Neandertaler, der vorm Mammut flieht und unter Angst, Anspannung und Machtlosigkeit leidet.

Prof. Dr. Lothar Seiwert

 

Bildquellen: © alphaspirit – Fotolia.com, © Creativa Images – Fotolia.com

Wie gestresst sind Sie? Wie gestresst sind Sie? Wie gestresst sind Sie?

« zurück

Ähnliche Beiträge

- Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige - - Anzeige -

© F&G - Fitness & Gesundheit 2018