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Wo beginnt betriebliche Gesundheitsförderung?

Erstellt am: 26.10.2017 | Kategorie: Szene, Gesundheit,
Wo beginnt betriebliche Gesundheitsförderung?

Für Unternehmen sind sportliche ­Mitarbeiter attraktiv, denn sie gelten als leistungsstark und präsentieren ihren Arbeitgeber auch gern bei sehr beliebten Events wie Firmenläufen. Sind mit den eher wettbewerbsorientieren Veranstaltungen die Grenzen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) erreicht? Prof. Dr. Niels Nagel kommentiert die Eventisierung des BGF und formuliert die Positionierung der Fitnessbranche.

Unternehmen präsentieren heutzutage nicht nur betriebswirtschaftliche Key Performance Indikatoren, sondern auch fitte, motivierte Mitarbeiter als Aushängeschild der erfolgreichen Unternehmen auf Firmensport-Wettbewerben und Gesundheitstagen. Man misst sich mit dem Wettbewerber nicht nur im Rahmen eines Angebot-Pitches sondern auch bei einem der zahlreichen Firmenläufe.

Wichtige Kunden werden nicht nur zum Abendessen ausgeführt, sondern auch zum gemeinsamen Training mit prominenten Sportler eingeladen. Viele Maßnahmen werden unter dem Deckmantel der betrieblichen Gesundheitsförderung mit teils organisatorischem Aufwand betrieben. Um Mitarbeiter fit für die Zukunft des Unternehmens zu machen, sind be­wegungsorientierte Maßnahmen eine wichtige Strategie. Doch wie gesundheitsorientiert und nachhaltig ist der Trend zur Eventisierung von betrieblicher Gesundheits­förderung? Wie kann sich die Fitnessbranche positionieren?

Wettbewerbsdruck

Der Wettbewerbsdruck auf Unternehmen und der Leistungsdruck auf die Mitarbeiter werden sicher weiter  zu­nehmen. Globalisierung und Digitalisierung haben zur Folge, dass die ­Mitarbeiter immer schneller inner- und außer­betriebliche Veränderungen und Entwicklungen aufnehmen müssen. Dies betrifft die Entwicklungen in den Absatzmärkten, die eigene Produkt­entwicklung und viele weitere Bereiche. Teams werden sich immer schneller finden und kooperieren müssen. Flexible Arbeitszeiten bedeuten auch, immer abrufbar und einsatzbereit zu sein.

Diese Beispiele zeigen auf, wie erfolgs­bestimmend geistige Leistungsfähigkeit, emotionale und seelische Resilienz sowie Erholungsfähigkeit und soziale Interaktionsfähigkeit sind.

Bewegung & Leistungsfähigkeit

Bewegung trägt dazu bei, den Arbeitnehmer für die Anforderungen zu trainieren, die in der Arbeitswelt von ­Morgen gefordert sein werden. So zeigt die medizinische Forschung der letzten Jahre auf, dass die körper­liche Aktivität das Fundament für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen im Beruf darstellt. Bewegung fördert die exekutiven ­Funktionen des Gehirns: Die exe­kutiven Funktionen setzen sich zu­sammen aus den Teilfunktionen der ­Leistung des Arbeitsgedächtnisses, der kognitiven Flexibilität und der sogenannten Inhibition.

Im folgenden soll aufgezeigt werden, wie sich die Verbesserung der exekutiven Funktionen auf die Arbeitsleistung auswirkt. In der modernen Arbeitswelt, in der Wissen dank Digitalisierung überall verfügbar ist, spielt das Arbeitsgedächtnis eine wichtigere Rolle, um Informationen in Gesprächen oder Handlungspläne abzuspeichern, um mehrere Prozesse quasi simultan zu managen. Auf Grund der Geschwindigkeit mit der sich Situationen in der Arbeitswelt verändern, erscheint es von Bedeutung, geistig-kognitiv flexibel zu sein.

Last but not least strömen mehr denn je vielfältige Reize auf den Arbeitnehmer ein, die von der eigentlichen Tätigkeit ablenken können: das Summen des Handys, die Mitteilung über neue Mails, etc. Durch verbesserte Inhibition können diese Störeinflüsse ausgeblendet werden und der Fokus bleibt weiter auf der Arbeitsaufgabe. Damit kann die Inhibition die Arbeitseffizienz verbessern. Die Wissenschaft zeigt, dass diese exekutiven Funktionen durch Bewegung optimal trainiert werden können. Sie ermöglichen die wichtige Anforderung, dass der Arbeitende selbst Aufmerksamkeit, Verhalten und auch Emotionen regulieren kann. Diese verbesserte Fähigkeit zur Selbstregulation kann als verhaltenspräventive Funktion dazu dienen, den Anforderungen des Arbeitsalltags besser gerecht zu werden.

Aktivität und kognitive Fähigkeiten

Körperliche Aktivität kann auch die Fähigkeit zur kognitiven Problem­lösung verbessern. So werden unter dem Einfluss der Aktivität bei kognitiven Aufgaben mehr Gehirnareale aktiviert. Es liegt daher nahe, dass aktive Menschen andere, ggf. bessere Lösungen finden.

Zudem nimmt die Lernfähigkeit zu und das altersbedingte Nachlassen der geistigen Schaffenskraft wird reduziert. Andauernde Überforderungen können zu depressiven Erschöpfungszuständen führen. Auch hier hilft der Sport. Studien zeigen, dass bereits leichte ­Formen von Sport mittel- und langfristig ebenso erfolgreich wirken, wie Antidepressiva. Damit geht der Nutzen von körperlicher Aktivität weit darüber hinaus, die auch ökonomisch immensen- Folgen des Bewegungsmangels einzudämmen.

Das richtige Maß

Muss der berufliche High-Performer deshalb zum Leistungssportler werden? Je erfolgreicher im Job, desto schneller müssen wir rennen können? Die vorgenannten Wirkungen des Sports erfordern keine Teilnahme am Wettbewerb. Bereits niedrigste Belastung haben zur Folge, dass z.B., die BDNF-Produktion gesteigert wird. Mit der Erhöhung des BDNF-Spiegels werden im Gehirn neue Gehirnzellen gebildet. Die jeweilige Wirkung körperlicher Aktivität auf geistige, körperliche und soziale Leistungsfähigkeit steht in Abhängigkeit von der individuellen Trainingsbelastung.

Nicht übertreiben

Nicht nur Inaktivität, sondern auch übertriebener Sport kann ein Gesundheitsrisiko darstellen. Die Gefahr, an Herzkreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist bei sportlichen Höchstleistern ab einem bestimmten Niveau ähnlich hoch wie die eines inaktiven Coach-Potatoes. Sportliche Belastung kann ferner dazu führen, die Folgen der beruflichen Überforderungen noch zu verstärken. Diese Überforderungen kann beispielsweise in dem Moment gesundheitsschädlich werden, wenn verzweifelt versucht wird, den Anschluss an die sportlich Aktiven beim Firmen-Run zu halten.

Gerade Sporteinsteiger neigen dazu, körperliche Belastung eher zu unterschätzen und überlasten sich in Folge dessen. Unter dem Druck der Erwartungshaltung des Arbeitgebers nimmt der Arbeitnehmer gegebenenfalls gesundheitlichen Schaden in Kauf. So hörte der Autor von einem engagierten Triathleten der bei einem 5-km-Firmenlauf im Ziel tot zusammenbrach. Der Athlet war wohl gegen den Rat des Arztes krank an den Start gegangen. Vielleicht, um niemanden zu enttäuschen?

Ausgrenzung verhindern

Leistungsorientierte Sportprogrammen können auf den Beginner durchaus eine ausgrenzende Wirkung haben. Im Rahmen des Betriebs bilden sich zwar Gruppen, innerhalb derer unter manchen Teilnehmern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht. Diese Zusammengehörigkeit entsteht, weil die Teilnehmer sich mit Gleichgesinnten umgeben oder ein gemeinsames Ziel verfolgen. Diese Eingrenzung sportlich aktiver Mitarbeiter kann jedoch auch eine Ausgrenzung sportlich weniger Aktiver zur Folge haben. Diese Menschen haben den Sport und die Unterstützung in Sportprogrammen jedoch am Nötigs­ten.

Tipps für erfolgreichen Betriebssport

Zusammengefasst stellen sich folgende Herausforderungen im modernen Betriebssport.

  1. BGF-Programme sollten sportlich Inaktive zu einer bewegungsorientierten Veränderung des Lebensstils motivieren.
  2. BGF-Angebote sollten vor Überforderung durch übertriebenen Wettbewerb schützen. Sport sollte im betrieblichen Setting der Gesundheit dienen und nicht um­gekehrt.
  3. BGF sollte nachhaltigkeitsorientiert sein. Nicht die Beteiligungsquote an einem Event sondern die Anzahl der Teilnehmer acht bis zwölf Monate nach Start einer Maßnahme ist der entscheidende Parameter für den Erfolg.

Das richtige Setting

Diese Limitationen eher wettbewerbsorientierter Maßnahmen im Rahmen einer betrieblichen Gesundheitsförderung können gesundheitsorientierte Fitness-Anbieter als Chance sehen. So können Fitness-Clubs ein Setting anbieten, in dem es weniger um die Maximierung einer Leistung geht, sondern darum, Gesundheitsdefizite kompensierende Zusatzangebote anzubieten. So empfehlen beispielsweise medizinische Studien, begleitend zu Maßnahmen zur Gewichtsreduktion zunächst ein Krafttraining durchzuführen. Krafttraining dient weiter zur Eindämmung orthopädischer Problemstellungen, die dann akut werden, wenn Trainierenden einseitigen Ausdauersport trainieren.

Des Weiteren bieten Fitness-Clubs den Vorteil, Gruppen zu binden, die sich nicht nur über das gemeinsame Ziel definieren. In den Fitness-Clubs finden Menschen zusammen, um soziale Kontakt im Rahmen körperlicher Aktivität zu pflegen. Diese Form von Bindung kann von größerer Dauer sein, weil die Grundlage des Gruppenzusammenhalts nicht mit der Erreichung eines Ziels, dem Firmenlauf, zu­sammenbricht.

Positionierung der Studios

Sind Firmenfitness-Wettbewerbe damit per se ad absurdum geführt? Der Begeisterung der Teilnehmer nach zu urteilen, bieten sie vielen die Möglichkeit einer neuen, motivierenden Bewegungserfahrung. Bestimmt sind auch bei dem einen oder anderen Lauftreff wichtige Probleme gelöst worden und manch einem fällt es leichter, direkt nach der Arbeit eine Runde mit Kollegen zu drehen.

Fitness-Studios können dennoch eine fundamentale Funktion im Rahmen der bewegungsorientierten Gesundheitsförderung einnehmen. Sie stellen ein Setting dar, in dem Inaktive ihren Lebensstil nachhaltig ändern können. Damit werden diejenigen aktiviert, deren Gesundheit vordringlich gefördert werden sollte. Den körperlich hockaktiven wird über die Intervention von qualifizierten Trainern die Möglichkeit geboten, ebenfalls attraktive und den Berufsalltag kompensierende Fitnessangebote wahrzunehmen.

Prof. Dr. Niels Nagel

Bildnachweis: Fotolia

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